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Respekt der aus dem Herzen kommt

«Ihr schafft es würdevoll von euren Nachbarn und Mitarbeitern zu denken und euch auch in schwierigen und frustrierenden Zeiten an den kleine positiven Erlebnissen zu erfreuen.»

Rückmeldungen wie diese oder ähnliche zu unserer Arbeit und unserem Einsatz im Allgemeinen erhielten wir in letzter Zeit häufig. Diese freuen uns sehr, denn einen respektvollen Umgang, sich am Kleinen zu freuen und nach einem misslungenen Projekt nach neuen Lösungswegen zu suchen und nicht gleich aufzugeben sind uns sehr wichtig.

Gleichzeitig taucht bei uns auch immer wieder die Frage auf, wie lernt man dies, sich an kleinen positiven Erlebnissen festzuhalten, besonders wenn diese Erfolge in einem Bereich geschehen, den wir nicht als Lernprozess planten?

Manchmal gelingt uns dies sehr gut, an anderen Tagen sehen wir vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr. Ich hätte gern ein Patentrezept zum glücklich und zufrieden sein, besonders auch bis zum Ende unseres Entwicklungseinsatzes. Und dies am liebsten nicht nur für mich, sondern für alle – träumen darf man ja.

Heute Morgen habe ich einen Artikel zum Thema “Respekt, der aus dem Herzen kommt” aus dem “Psychologie Heute” gelesen, der mich an meinen Traum erinnerte. Vielleicht ist dies einer der Lösungsansätze um meinem Traum einen Schritt näher zu kommen. Ich zumindest werde versuchen in den verbleibenden Monaten unseres Einsatzes, wie auch später zurück in der Schweiz vermehrt auf diese Form des Respekts hinzuschaffen.

Hier einen Auszug dieses Artikels für alle, die einen ähnlichen Traum wie ich hegen:

Respekt der von Herzen kommt

aus Psychologie Heute, Sept. 08 von Ingrid Strobl

«Jeder Mensch sehnt sich danach, von anderen respektiert zu werden. Jeder fühlt sich verletzt, wenn er respektlos behandelt wird. Doch was ist Respekt eigentlich? Gemeint ist damit eine Haltung, die den anderen als Menschen achtet und seine Menschenwürde anerkennt, egal woher er kommt, wie er aussieht und zu welchem Gott er betet.

Das Wort Respekt kommt vom lateinischen respicere, das “zurücksehen” bedeutet und somit “Rücksicht”. Wenn wir Rücksicht auf den anderen nehmen, respektieren wir seine Bedürfnisse und seine Verletzlichkeit. Dieser Respekt meint nicht das, was früher häufig darunter verstanden wurde – ritualisierte Höflichkeit, Gehorsam und Obrigkeitsgläubigkeit. Heute sieht Respekt anders aus. Er ist authentischer, jeder entscheidet selbst, vor wem er Respekt hat und vor wem nicht.

Der Soziologe Richard Sennett schreibt in seinem Buch “Respekt in Zeiten der Ungleichheit”: Sozialhilfeempfänger erleben, dass ihr Anspruch auf Beachtung allein auf ihren Problemen, ihrer Bedürftigkeit beruht. Respekt verdienen sie nur, wenn sie nicht schwach und nicht bedürftig sind. Mangelnder Respekt mag zwar weniger aggressiv erscheinen als eine direkte Beleidigung, kann aber ebenso verletzend sein. Man wird nicht beleidigt, aber man wird auch nicht als ein Mensch angesehen, dessen Anwesenheit etwas zählt.

Richard Sennett arbeitete während des Studiums mit obdachlosen Jugendlichen in einem Slum von Chicago. Er beobachtete, dass Sozialarbeiter und Pädagogen, die gleichfalls mit diesen Kindern zu tun hatten, ihnen zwar helfen wollten, sie aber nicht respektierten. Den Grund dafür sieht Sennett darin, dass diese Jungen und Mädchen auf eine Art leben und sich verhalten, die ihre Helfer, die meist der Mittelschicht angehören, nicht verstehen. Dem setzt Sennett entgegen:

‘Wenn man anerkennt, dass man nicht alles am anderen verstehen kann, erhält die Beziehung ein Moment der Achtung und Gleichheit.’

Man billigt dem Anderen Autonomie zu und belässt ihm seine Würde. Die Forscher der Hamburger RepectResearchGroup nennen diese Haltung “horizontale” oder “anerkennenden” Respekt. Dieser Respekt ist bedingungslos. Dies bedeutet, die andere Person muss nichts erfüllen, damit ich sie respektiere.

In unserer globalisierten Welt gibt es mittlerweile Reiseführer, die Geschäftsreisenden erklären, wie sie sich verhalten müssen um ihre Partner im Ausland nicht vor den Kopf zu stossen. Das mag hilfreich sein, vor allem in ritualisierten Situationen. Doch Reisende aller Zeiten haben die Erfahrung gemacht: Echte Freundlichkeit überträgt sich auf den anderen, selbst wenn man irrtümlich gegen die Tischmanieren oder sonstige Regeln verstösst. Wir spüren alle, ob uns jemand mit Respekt begegnet. Mit einem Respekt, der aus dem Herzen kommt, der die Person meint, unabhängig von ihrem Rang oder davon, ob sie für uns von Nutzen ist. Und auch unabhängig davon, ob diese Person bereit ist, sich so zu verhalten, wie wir es gerne hätten.

Warum fällt es uns so schwer andere zu respektieren? Der Paartherapeut Hartwig Hansen mach in seinem Buch “Der Schlüssel zur Partnerschaft” deutlich: Respekt ist entscheiden für das Gelingen und die Haltbarkeit einer Beziehung. Ohne gegenseitigen Respekt geht gar nichts. Wir fühlen uns unwohl, wenn wir zu wenig oder keine Anerkennung für das erhalten, was wir tun und wie wir sind. Wir schöpfen nicht das aus, was wir leisten könnten, wenn wir – zum Beispiel in der Arbeit – nicht gewürdigt und belohnt werden. Wir werden sogar krank, wenn wir in einem chronischen Wertschätzungsdefizit leben.

Um andere respektieren zu können, muss man auch sich selbst respektieren. Doch wie erlangt man Selbstrespekt? Kann man Selbstrespekt auch erlernen, indem man sich bemüht andere zu respektieren? Und hilft umgekehrt Respekt, den man von anderen erfährt Respekt vor sich selbst zu entwickeln? Das Thema Respekt ist noch lange nicht ausreichend erforscht. Vielleicht ist es auch gar nicht möglich eine eindeutige Definition von Respekt zu finden. Unsere Welt würde trotzdem eine bessere und unser Leben einfacher, wenn wir mehr Respekt voreinander hätten.»

Mutter Theresa hat ihre Vorstellung von Respekt so ausgedrückt:

‘Achte darauf, dass sich jemand nach einer Begegnung mit dir reicher fühlt als vorher.’

Die komischen Ausländer

Der Regen kann uns nichts anhaben

Heute verbrachten wir einen gemütlichen Sonntag mit Lesen, Spielen, Stricken, Diskutieren und Lachen. Mit anderen Worten waren wir den ganzen Tag über im Haus, suchten vergeblich nach der erfrischenden Kühle, doch immerhin war es drinnen etwas angenehmer als draussen. Gegen Abend frischte ein böiger Wind auf und graue Regenwolken zogen in unsere Richtung. Unsere Nachbarn und die Schüler verzogen sich so schnell wie möglich in ihre Zimmer um vor dem herannahenden Regenguss geschützt zu sein. Für uns gab es kein Halten mehr und wir gingen rasch nach draussen, liessen den Wind durch unsere Haare zaudern und bewunderten das Naturschauspiel. Kaum fielen die ersten Tropfen, waren wir vertieft in ein Fussballspiel und als der Regen heftiger wurde, spielten wir unbeirrt in unseren Regenjacken weiter. All dies bot unseren Nachbarn einmal mehr einen Grund zum Kopfschütteln.

Familienzuwachs

Bereits nach einigen Tagen hörten wir von draussen ein permanentes Rascheln unter den Guavenbäumen. Vorsichtig, eine Schlange oder ähnliches erwartend gingen wir diesem Geräusch nach und kurz darauf sassen wir als ganze Familie draussen um unseren Familienzuwachs zu bestaunen: Eine Henne scharte unermüdlich für ihre acht kleinen Bibis nach Futter. Die Henne gehört eigentlich der Schule und lebt auf dem Schulgelände. Auf diesem befinden sich aber häufig streunende Hunde und so hat sich die Henne den sichersten Platz für ihre Küken gesucht und wurde in unserem Garten fündig. Es ist der einzige dicht umzäunte Platz und die abgemagerte Henne mit ihren Bibis kann durch den Maschendrahtzaun schlüpfen. Nicht mal die anderen Hühner und der Hahn passen durch den Zaun und so hat die Familie nun einen privaten Stall. Beim Guaven ablesen geben sich Nathan und ich nun Mühe, dass zwischendurch eine Guave auf den Boden fällt, damit sich die Henne und ihre inzwischen nur noch sieben Küken in Windeseile darauf stürzen können und wir unsere wahre Freude an ihnen haben.

“Unsere” Küken und ihre Mutter

Wieder zu Hause

Vielleicht zu Beginn kurz eine Definition von “Heimat” und “zu Hause”: Momentan kommt es häufig zu sprachlichen Verwirrungen, da wir von der Schweiz, wie auch von Namibia als unserer Heimat sprechen. Wobei wir jedoch die Schweiz als unser Heimatland betrachten, mir der uns vertrauten Kultur und Sprache. Unsere Heimat in Namibia befindet sich jedoch ganz klar nur in Elim, unserem Haus und dem uns lieb gewonnenen Garten.

Es ist bereits wieder eine Weile her und dennoch möchte ich noch kurz auf unsere Rückreise nach Elim eingehen. Der Flug verlief ruhig und ohne grössere Verspätungen. Kaum öffneten sich die Flugzeugtüren auf namibischem Boden strömte uns die hitzige Sommerluft entgegen und die Augen mussten sich erst an das helle Sonnenlicht gewöhnen.

Wir verbrachten einige Tage in Windhoek um uns wieder mit dem namibischen Klima vertraut zu machen, bevor wir unser Auto packten und uns aufmachten in den Norden. Doch dieses Vorhaben wurde bereits bei der ersten Polizeikontrolle unterbrochen. Der diensthabende Polizist verlangte nach der obligatorischen Begrüssung nach unseren Pässen. Wie üblich reichten wir ihm unsere Identitätskarte, wie auch unseren Fahrausweis raus. Normalerweise stillten sie kurz ihre Neugier, lasen den Namen laut vor und machten eine kurze Bemerkung zu unserem Herkunftsland und danach durften wir weiter fahren. Doch nicht an diesem Tag. Der Polizist würdigte unsere Ausweise keinen Blick und meinte nur, wie er auf diesen unser Visum sehen solle, er wolle unsere Pässe. Ziemlich erstaunt erklärten wir ihm, dass wir die nicht bei uns haben, denn die weilen in Windhoek, damit unser Visum verlängert werden kann. Gar nicht zufrieden über unsere Auskunft, winkte er uns zur Seite und beorderte eine weitere Angestellte hinzu. Diese liess sich die ganze Geschichte nochmals erklären und meinte kurz angebunden: ” Diese Ausweise kann ich nicht akzeptieren, ich sehe nicht ob ihr legal im Land seit.” Auf unsere Frage hin, was denn jetzt genau geschehen soll, meinte sie kurzerhand, wir müssen halt mit den Pässen wieder auftauchen, vorher sei an eine Weiterfahrt nicht zu denken. All unsere Überredungskünste waren vergeblich, denn wir befanden uns wirklich in einem Dilemma; unsere Pässe waren in einem Safe eingeschlossen, in einem abgeschlossenen Haus und die Schlüssel weilten mit dem Koordinator in den Ferien, an einem Ort, den wir nur erreichen konnten, wenn wir die Polizeikontrolle durchqueren. Als der Polizistin unsere Erklärungsversuche zu bunt wurden, drohte sie uns mit einem Gefängnisaufenthalt, bis jemand die gewünschten Dokumente vorweisen kann und mit Kindern sei dies ja bekanntlich nicht toll. Sie würde es nicht gerne machen, aber wenn es sein muss…

Tja, an dieser Frau war kein Vorbei kommen und so traten wir wieder den Rückweg nach Windhoek an. Wir versuchten die Reinigungshilfe der Koordination ausfindig zu machen, denn diese besitzt einen Schlüssel zum Haus und somit kämen wir an unsere Pässe heran. Das grosse Problem war nur, dass niemand so genau wusste, wo diese Frau lebt. Also, kurvten wir im besagten Quartier herum, versuchten ein bekanntes Gesicht ausfindig zu machen und fragten alle Fussgänger nach unserer Bekannten. Und tatsächlich, wir wurden fündig. Nun mit dem Schlüssel schnell zurück zur Koordination, Pässe heraus holen, Schlüssel zurück bringen und schon waren wir wieder auf dem Weg zur Polizeikontrolle. Ging schneller als gedacht.

Die zuständigen Polizisten beendeten bereits ihre Schicht, die nun Diensthabenden sassen in ihren Stühlen abseits der Strasse und winkten zwischendurch die Autos vorüber, wie wenn sie eine Fliege verscheuchen wollten. Wir waren kurz davor einfach weiter zu fahren, doch unser Verantwortungsgefühl siegte und so stiegen wir kurz aus und zeigten unsere Pässe. Zu unserem Erstaunen war die zuständige Polizistin bestens im Bild über uns und professionell beendete sie den Eintrag ihrer Vorgängerin. Nun konnten wir mit gutem Gewissen weiterfahren. Eins lernten wir aus diesem Erlebnis wieder mal: Kreuze nie den Weg von Staatsangestellten, wenn ein Vorgesetzter mit dabei ist. Wie wir heraus fanden, war nämlich während unserem ersten Treffen an diesem Tag mit der Polizei ein Vorgesetzter anwesend und zudem war noch Schichtwechsel, somit waren die Angestellten übermotiviert korrekte Arbeit zu leisten. Zehn Minuten später und sie hätten uns mit einem unaufmerksamen Winken vorbei kommandiert. Tja, ist ja noch mal gut gegangen.

Einen Tag später erreichten wir dennoch Elim, unser zu Hause. Freudig und überschwänglich wurden wir von den Securitas, die das Schulgelände und somit auch unser Haus bewachen, begrüsst und über die grösseren Neuigkeiten informiert. Unser Haus, wie auch der Garten waren in einem sehr gepflegten Zustand, die Blumen blühten, die Erdbeeren waren saftig rot und auch die Guaven lockten nebst den Vögeln auch uns gleich in den Garten. Es war schön wieder zu Hause zu sein.

Arbeit Mirjam

Kindergarten Gwaniiti

Ich bin ohne Vertrag ausgereist, nutzte die erste Zeit um unser Haus und den Garten einzurichten und für uns als Familie ein zu Hause zu schaffen.
Bereits nach einiger Zeit fragte mich der örtliche Schulleiter der Primarschule um Unterstützung in der Primarschule und im Kindergarten an. Der Kindergarten in Namibia ist privat, somit gibt es keine Ausbildung und keinen Lohn für die Lehrerinnen und auch kein bestehendes Material oder Unterrichtshilfen.

Ich entschied mich im Kindergarten mitzuarbeiten und stellte einen ersten Kontakt mit den beiden Lehrerinnen her. Die Situation, die ich antraf sah folgendermassen aus:

  • Der Kindergarten fand in einem schlecht eingerichteten Schulzimmer statt, der gleichzeitig auch als Abstellraum benutzt wurde

  • Die Lehrerinnen bereiteten den Unterricht nicht vor und benutzten auch kein Material

  • Über das ganze Jahr verteilt wurden nur 3 Themen (Farben, Formen und Zahlen) unterrichtet.

Altersgerechter Kindergartenmorgen

Ich besuchte den Kindergarten einmal wöchentlich und gestaltete den Morgen, damit die Lehrerinnen, wie auch die Kinder sehen, wie ich es mache und was ich mir vorstelle. Die ersten Veränderungen bestanden vor allem darin die Kinder in einem Kreis sitzen zu lassen und nicht in Reihen und während dem Unterricht mehr Spiele einzubauen.

Ich überforderte die Kinder jedoch grössten Teils, da sie nicht Englisch sprechen und meine Ideen fremd für sie waren. Aus diesem Grund zog ich mich aus dem aktiven Kindergarten zurück und unterstütze die Lehrerinnen mit Planung, Vorbereitung und Materialherstellung und beobachte sie während dem unterrichten und anschliessend besprechen wir dies. Für die Unterstützung während dem Vorbereiten habe ich eine Materialsammlung hergestellt mit vielen Spielideen, Werkarbeiten und Arbeitsblättern.

Dank der Motivation der Kindergärtnerinnen, der Unterstützung des Schulleiters, wie auch der Gemeinde konnten wir in diesen Jahren im Bereich Kindergarten viel erreichen:

  • Der Kindergarten befindet sich nun in einem eigenen Gebäude

  • Der Raum ist gestaltet mit Materialien und Zeichnungen

  • Der Morgenablauf ist kindgerechter und abwechslungsreicher

  • Die Themen erweiterten wir auf über 12 Themen

  • Die gemeinsame Planung trägt zu vermehrter Abwechslung im Unterricht bei

Kindergartenausbildung

Maria, Mirjam und Letta

Die Kindergärten sollen wieder dem Staat angeschlossen werden. Aus diesem Grund läuft seit letztem Jahr ein Pilotprojekt mit ausgewählten Kindergärten. Diese Lehrerinnen erhalten eine Berufsbegleitete Ausbildung und neu erarbeitete Materialien. Jedes Jahr werden nun weitere Kindergärten dazu genommen, bis in einigen Jahren wieder in allen Dörfern einen Kindergarten existiert. Ich konnte Kontakte knüpfen zu den zwei Verantwortlichen in unserer Region und gemeinsam mit ihnen das erarbeitete Material besprechen und Verbesserungsvorschläge vorbringen, wie auch einen Teil der Ausbildung begleiten.

Arbeit Andreas

Hintergrund

Blick in ein typisches Namibisches Klassenzimmer

Namibia ist ganz klar ein Entwicklungsland, aber nicht eines der ärmsten Entwicklungsländer. Zum Beispiel sind Kommunikation und Transport verhältnismässig gut ausgebaut. Das Gleiche gilt auch für die Infrastruktur an Schulen. Es fehlt nicht an allem, sondern Entwicklung kann stattfinden und ist sogar beobachtbar. Natürlich gibt es nach wie vor auch viele Schulen, welche schlechte Infrastruktur haben und an denen sich die Lehrkräfte täglich abmühen, auch nur einigermassen gut zu unterrichten.

Das Schulsystem in Namibia ist stark zentralisiert, es gibt zum Beispiel nur einen Lehrplan, zwei Mathebücher und eine Abschlussprüfung für das ganze Land, etwas was in der Schweiz kaum vorstellbar ist. Im Moment läuft eine Bewerbung für einen Schulleitungsposten so ab: An unserer Schule ist ein Schulleiter gesucht worden. Bewerbungsgespräche finden statt, die Schulkommission und der Inspektor für den Schulbezirk geben je eine Empfehlung ab. Die 3. Empfehlung kommt von der Regionaldirektion, alle Unterlagen werden nach Windheok gesendet. Das Ministry of Education entscheidet aufgrund der 3 Empfehlungen. Der Entscheid wird wieder nach unten kommuniziert und der gewählte Schulleiter kann seine neue Arbeitsstelle antreten. Dezentralisierung ist ein laufender Prozess, welcher viele Verbesserungen bringen sollte. Beim Beispiel Bewerbung wird in Zukunft die Entscheidung auf Regionalebene getroffen. Mehr Mitbestimmung und kürzere Entscheidungswege helfen mit, dass motivierter gearbeitet wird und mehr Bewusstsein für Kosten entsteht.

Ursprünglicher Auftrag

Der Mathematikunterricht in Elim Circuit soll deutlich besser werden, dies ist messbar anhand der Prüfungen in der 10 Klasse (bisher bestanden 4 aus 10 SchülerInnen die Prüfung). Ohne diese Prüfung ist es praktisch unmöglich, eine weitere Ausbildung zu machen, und später eine anständig bezahlte Arbeit zu finden.

Methoden welche zu Beginn des Einsatzes ins Auge gefasst worden sind: Teamteaching, also gemeinsames Unterrichten, Workshops, d.h. Weiterbildungen, Unterrichtsbesuche mit Rückmeldung, individuelle Betreuung übers ganze Jahr.

Die Ziele sind gleich geblieben, aber ich habe meine Schwerpunkte etwas verlagert. Ich habe festgestellt, dass ich mit gleicher Energie auf Schulbezirksebene viel mehr erreichen kann. Meistens mangelt es den Schulen nicht an geeigneten Lehrkräften, sondern an einer Schulleitung, die als Beispiel vorangeht und den “Durchblick” hat. So versuche ich auf Schulbezirksebene die Rahmenbedingungen zu verbessern und nicht mehr direkt in den Unterricht einzugreifen.

3 Standbeine meiner Arbeit

1) Arbeit mit dem Inspektor: Verbesserungsvorschläge, Rückmeldungen von Schulbesuchen besprechen, Stundenplan

Dass das Projekt sich so entwickelt hat und sich immer mehr Türen geöffnet haben war nur möglich, dank der guten Zusammenarbeit mit dem Inspektor, der gleichzeitig mein Vorgesetzter ist. Irgendwie habe ich ihn überzeugen können, dass ich etwas für Elim zu bieten habe. Im Gegenzug setzt er sich auch für uns ein, wenn wir anstehen. Wir schätzen die gegenseitige Arbeit, sind froh um die Fähigkeiten des anderen. Wir erwarten viel von einander sind aber auch bereit selber viel zu geben. Dies denke ich, ist ein Schlüssel für erfolgreiche Arbeit. Hat man die Unterstützung eines Vorgesetzten der Mitarbeitenden (in meinem Fall die Lehrkräfte) gibt das der Arbeit automatisch mehr Gewicht und Autorität. Hier in Namibia zählt häufig die Position in der Hierarchie mehr als die Person und ihre Fähigkeiten. Seit ich zum Beispiel meine Einladungen für Workshops vom Inspektor unterschreiben lasse, habe ich kaum noch Probleme mit unentschuldigten Absenzen.

2) Arbeit mit Schulen und Lehrkräften, soweit sinnvoll und erwünscht (gibt mir Einblick in das Schulwesen und dessen Probleme)

3) Regionale Vernetzung: Zusammenarbeit mit dem Advisory Teacher für Mathematik, den anderen Inspektoren (WS für Sekretäre und Sekretärinnen, vor allem was Zahlen angeht, Statistiken, Verarbeiten am Computer, etc), BES3 und AED (lokale Geldgeber). Als Beispiele sind hier zu nennen: Das Mathbrett für die ganze Region, Planungshilfen, Weiterbildungen

Das Mathbrett

Das Ergebnis des Workshops lässt sich sehen

zeigt die Vernetzung dieser Punkte und auch die Entwicklung einer Beobachtung schön auf: An vielen Schulen beobachtete ich, dass Lehrkräfte bei Themen, für die ein Gitternetz gebraucht wird (und das sind viele) notgedrungen das Gitter jedes Mal von Hand mit Kreide an die Wandtafel zeichnen, danach die Aufgabe hineinzeichnen. Für die nächste Aufgabe muss praktisch alles gelöscht werden und von vorne begonnen werden. Somit geht zum Teil schnell die Hälfte der Lektion verloren mit Gitternetz zeichnen. Für die meisten Schulen ist es zu teuer, eine kommerzielle Wandtafel zu kaufen. Aufgrund dieser Beobachtung entwickelte ich ein tragbares Mathbrett, das wie ein Whiteboard funktioniert, aber auch schon die Gitternetzlinien hat. Der erste Workshop war für “meine” Lehrkräfte, die das Angebot sehr schätzten. Aufgrund des grossen Echos, war ich letzten Juni zusammen mit dem Mathematikweiterbildner in der ganzen Region unterwegs, um diese wichtige Unterrichtshilfe allen zugänglich zu machen. Vor kurzem wurde ich angefragt, einen Workshop für alle nördlichen Regionen anzubieten, was mich sehr gefreut hat und mir auch zeigt, dass ich mit diesem Workshop ein bestehendes Bedürfnis aufgegriffen habe.

Wenn ich retour blicke, fällt mir auf, dass ich mit enorm vielen Lehrkräften zu tun hatte, welche mittlerweile wieder weg sind, da sie befördert wurden, an eine andere Schule gingen und so weiter. Die vielen und häufigen Wechsel machen es schwierig, Konstanz in die Arbeit zu bringen und erfordert immer wieder Bereitschaft auf neue Lehrkräfte zuzugehen. Gleichzeitig werden so auch Ideen, Materialien und Programme weitergegeben und werden auch in anderen Regionen angewendet.

Ovambos – Unsere Nachbarn

Die Ovambos machen 50% der namibischen Bevölkerung aus. Innerhalb des Stammes der Ovambos gibt es 7 verschiedene Untergruppierungen, die sich in einigen Traditionen und Gepflogenheiten unterscheiden, so wie sie auch einen unterschiedlichen Dialekt sprechen. Ähnlich unserem Schweizerdeutsch.
Jede dieser Gruppe wurde früher von einem König geführt, der für die Aufteilung der Felder, Nahrungsmittel und Arbeiten zuständig war, wie auch in Rechtssprachen richtete. Das königliche Amt wurde in einer Mutterlinie weitergereicht, so vererbte der König sein Amt nicht etwa seinem Sohn, sondern dem Sohn seiner Schwester. Denn so konnte gewiss sein, dass die Blutslinie innegehalten wurde. Beim eigenen Sohn wusste man ja nicht ob es wirklich der leibliche Sohn ist oder ob die Ehefrau fremdging. Heutzutage werden die Könige mehr und mehr ersetzt durch Staatsangestellte, vergleichbar einem Gemeindepräsidenten.

An einer Hochzeitsfeier werden Geschenke überreicht

Früher kleideten sich die Ovambos nur in Felle, seit der Missionarisierung und der Modernisierung kamen jedoch Kleider dazu. Heutzutage tragen die Frauen während Festivitäten rosarot-weiss gestreifte Röcke und dazu passende Oberteile. Eine Halskette aus kleinen Perlen gehört dazu, so wie einen Hüftgurt entweder aus Perlen oder aus Leder. Je breiter und dekorativer der Gurt ist, desto höher ist die Stellung der Frau in der Gesellschaft. Die Männer tragen mehrheitlich westlich geprägte Anzüge, auch bei 40°C.

Die Hauptnahrungsmittel der Ovambos sind Mahangu (eine Hirseart), Fleisch und teilweise Gemüse. Die Meisten betreiben Viehzucht und Ackerbau für den Eigengebrauch, müssten also theoretisch keine Lebensmittel dazu kaufen um sich ausgewogen zu ernähren. Da heute der Wunsch nach vielseitigeren Lebensmitteln, wie nach Kleidern und Kosmetikprodukten aber gross ist, sind sie auf einen Lohn angewiesen. Bei den etwas ärmeren Familien werden solche Anschaffungen, wie auch das Schulgeld für die Kinder von der AHV der Grosseltern bezahlt.

Wie an so vielen Orten zeichnet sich auch hier eine neue Tendenz zur Armut am Rande der Städte ab, wo viele verzweifelt hoffnungsvolle Menschen auf der Suche nach Arbeit in Wellblechsiedlungen hausen und somit auch abgeschnitten von den Traditionen und dem Familiengefüge sind.

Die unten stehende Grafik zeigt den typischen Aufbau eines Homesteads oder Bauernhofs in unserer Umgebung.

Grundriss Homestead

Wissenswertes über Namibia

Namibia liegt im südlichen Afrika und wird umgeben von Südafrika, Botswana, Angola, Simbabwe und Sambia. Gemeinsam mit diesen Ländern und einigen mehr bildet es eine Union um international mehr Gewicht zu haben und für Handel unter diesen Staaten zu erleichtern (SADC).

Namibia ist ein sehr grosses Land. Verglichen mit der Schweiz ist es 20-mal grösser. Wenn man die Bevölkerung der Schweiz nimmt, 7 Millionen und vergleicht mit der Bevölkerung in Namibia, 2 Millionen, dann sieht man schnell, dass Namibia sehr dünn besiedelt ist.

Klima/Geographie

Bei Windhoek während der Regenzeit

Namibia kennt 3 Jahreszeiten: Der Sommer mit der Regenzeit, Winter und Trockenzeit. Da das Land in der südlichen Halbkugel gelegen ist, ist dort im Moment Hochsommer. Die Regenzeit kann jeden Moment anfangen und wird der braunen ausgetrockneten Landschaft ein grünes Kleid geben. So haben wir es auch angetroffen bei unserer Ankunft in Namibia vor drei Jahren.

Die Hochlandebene mit durchschnittlichen 1700 m.ü.M. prägt die Mitte des Landes. Sie besteht hauptsächlich aus Steppe und Halbwüste. Dort liegt auch die Hauptsatdt Windheok. Diese Ebene wird begrenzt durch mehrere Gebirge, der höchste namibische Gipfel befindet sich im Brandbergmassiv mit 2579m.ü.M. Ein weiterer bekannter Berg ist die Spitzkoppe, die sich ebenfalls auf dieser Grenze befindet.

Namib Wüste

Im Westen befindet sich die Wüste Namib, eine der ältesten Wüsten der Welt, die sich von Südafrika bis Angola erstreckt. Über lange Zeit war es unmöglich, über den Seeweg nach Namibia zu gelangen. Die Brandung an der Küste ist kaum zu bewältigen und ist es einem Schiff doch gelungen, an der Küste anzulegen, war die Wüste das nächste unüberwindbare Hindernis. Die Namib Wüste ist sehr faszinierend und hat viele wunderschöne Orte, wie zum Beispiel Sossusvlei, eine Senke, in welche in guten Regenjahren das Wasser fliesst und versickert. Auf der anderen Seite dieser Hochebene um Windhoek befindet sich die Kalahariwüste, eine weitere Sandwüste, die von Namibia bis Botswana reicht. Die nördlichsten Ausläufer sind im Prinzip die sandige Gegend in der wir leben und auch die Etoscha Pfanne. Nur 4 Flüsse führen das ganze Jahr über Wasser und alle sind gleichzeitig Grenzflüsse. Im Norden sind dies der Sambezi, Kunene und Kavango, im Süden der Oranje. Dazwischen ist es trockener und es gibt dort wenige Flüsse, welche alle nur während der Regenzeit fliessen.

Kunene River

Das Land ist geologisch wie auch geographisch sehr interessant. Für viele Namibier hingegen ist es unvorstellbar, dass ihr Land eine Faszination auf Touristen ausübt, müssen sie sich doch täglich den Widerwärtigkeiten des Klimas und des unfruchtbaren Bodens stellen. Landwirtschaft in Namibia ist möglich, aber mit einem harten Alltag verbunden.

Bevölkerung und Sprache:

In Namibia leben 10 verschiedene Stämme, welche sich zum Teil von Kultur und Sprache her stark voneinander unterscheiden. In den entsprechenden Regionen werden die Muttersprachen von diesen Gruppierungen gesprochen, in der Schule wird bis zur 4. Klasse in diesen Sprachen unterrichtet. Es gibt ungefähr 20 offizielle Muttersprachen und noch mehr Dialekte. Um Kommunikation unter den verschiedenen Stämmen zu ermöglichen und keine Ethnie zu bevorzugen, wurde nach der Unabhängigkeit Englisch als Amtssprache eingeführt. Ab der 5. Klasse findet der Unterricht in den Schulen auf Englisch statt.

Geschichtliches:

Namibia ist als letztes afrikanisches Land 1990 unabhängig geworden, nach einem langen Unabhängigkeitskampf. Namibia ist zuerst eine deutsche Kolonie gewesen und ist später die fünfte Provinz Südafrikas geworden. Unter dem südafrikanischen Apartheid Regime ist die Bevölkerung ihren Stämmen entsprechend in so genannten Homelands oder Reservaten zwangsangesiedelt gewesen. Dort sind sie mehr oder weniger rechtlos und abgeschottet von aussen sich selber überlassen gewesen. Der Unabhängigkeitskampf wurde von der SWAPO geplant, organisiert und durchgeführt. Der Anführer des Unabhängigkeitskriegs und langjähriger SWAPO Chef Samuel Nuuyoma war die ersten 12 Jahre der Namibische Präsident. Nach wie vor ist seine Partei in allen wichtigen Ämtern vertreten, was lange nicht allen Namibiern gefällt, da die SWAPO dadurch eine Sonder- und Vormachtstellung hat. Im Blick auf die Präsidentschaftswahlen nächstes Jahr werden mehr und mehr Stimmen laut, die gerechtere und demokratischere Verteilung der Macht verlangen. Auch wenn es zwischendurch zu leichten politischen Zusammenstössen kommt, ist Namibia nach wie vor ein sehr stabiles und sicheres Land.

Mopanewürmer und Mahangu

Ein wichtiger Teil unseres Heimurlaubs in der Schweiz waren Vorträge, die wir als Gelegenheit nutzten, um den Anwesenden unser Gastland, unsere Nachbarn und unsere Arbeit vorzustellen. Dabei war es uns auch wichtig, Entwicklungszusammenarbeit in einem kritischen Licht zu betrachten. Die Bilder sollen ein paar Eindrücke von diesen Anlässen vermitteln.

Uns hat es Spass gemacht von unserem Leben in Namibia zu erzählen und unsere Freunde und Bekannte wie auch uns unbekannte Personen daran teilhaben zu lassen. Gut getan hat auch die Zeit nach den Vorträgen, die wir nutzten um alte Bekanntschaften aufzufrischen und weitere Fragen zu beantworten. Wir haben gestaunt, wieviele Besucher sich gewagt haben die zugegebenermassen ungewohnte Namibische Kost zu probieren.

Ualalapo - Begrüssung auf Oshiwambo

In den folgenden Tagen werden wir Zusammenfassungen dieser Vorträge hier bereitstellen. Die Artikel können später auch unter dem Link Medien abgerufen werden.

Zeitungsartikel online

Am 9. Dezember 2008 erschien im Thuner Tagblatt ein Artikel über unserer Vorträge in Steffisburg. Eine elektronische Ausgabe kann man hier direkt downloaden oder unter Medien finden.

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