«Wenn jeder für sich schaut, dann ist für alle gesorgt.»
Ich war nie eine grosse Befürworterin dieses Sprichworts und vor kurzem erhielt ich einmal mehr den Beweis, dass ein Leben nach diesem Grundsatz nirgends hinführt.
Ein ehemaliger Sekretär des Inspektors von Elim arbeitet seit kurzer Zeit in einem landwirtschaftlichen Forschungszentrum. Bereits vor einer Weile erhielt Andreas einen Anruf von Mikka, dem ehemaligen Sekretär und wurde um Unterstützung mit dem Computer gebeten. Der Computer ist voller Viren und hat somit sein Eigenleben und dient nicht mehr zur Unterstützung der Arbeit. Auch all die Ratschläge per Telefon halfen nichts und so lud Mikka die ganze Familie ein, damit sich Andreas vor Ort persönlich den inzwischen mehreren verseuchten Computern annehmen konnte. Mikka versprach alles zu organisieren, damit wir quasi als Lohn gratis auf dem Gelände übernachten und essen können. Das landwirtschaftliche Forschungszentrum bietet auch Unterkunftsmöglichkeiten für Interessierte und Touristen an und ist somit bestens ausgerüstet.
So gesagt, getan, das Datum wurde festgelegt und schon kurz darauf trafen wir beim Forschungszentrum ein. Nach längerem Suchen fanden wir eine der Angestellten im Büro, die uns mitteilte, dass Mikka noch nicht von seinem längeren Wochenende zurückgekehrt sei. Sie war aber immerhin informiert über unser Kommen, hatte aber keine Ahnung wie unsere Unterbringung geplant war. Also telefonierten wir mit Mikka, der sich an einer verschobenen Gerichtsanhörung befand, dieser wiederum nannte uns einen Namen, der über unsere Unterkunft informiert sei und diese auch organisierte. Kurze Zeit später fanden wir sein Büro, doch dieses war verschlossen. Wiederum nach einiger Zeit erfuhren wir, dass dieser in der Stadt sei. Am Telefon versprach er uns jedoch, bald vor Ort zu sein. Beim nächsten Telefongespräch meinte er kurz angebunden, die Bestätigung unseres Antrags um Unterkunft sei nie bei ihm aufgetaucht und somit könne er uns nicht helfen. Die Nachfrage bei Mikka ergab, dass dieser Vorgesetzte den Antrag unterschrieben und auf seinem Schreibtisch liegen hatte. Also telefonierten wir erneut mit dem offensichtlich Zuständigen, nur um zu erfahren, dass er in einem wichtigen Gespräch in der Bank sei. Und dies um halb fünf, wenn die Banken um halb vier schliessen!
Unsere Geduld neigte sich langsam dem Ende zu und Andreas beendete den bereits begonnenen Prozess bei den Computern, dadurch konnten diese nun gar nicht mehr bedient werden.
Fünf Minuten vor fünf, also fünf Minuten vor Arbeitsende tauchte der Supervisor doch noch auf um stolz an uns vorbei zu marschieren ohne uns auch nur eines Blickes zu würdigen oder uns zu grüssen. Auf Nachfrage hin der Angestellten, die uns während der ganzen Zeit beigestanden war, bemühte er sich doch in unsere Richtung um uns mitzuteilen, dass er leider nicht über unser Kommen informiert worden war und daher nichts organisiert sei. Im Verlauf des Gespräches wollte er uns weis machen, dass Mikka ein falsches Datum genannt hat und er uns erst morgen erwartet hat und noch später meinte er, unser Antrag sei gar nie bewilligt worden.
Dies brachte das Fass zum Überlaufen und auf unsere Anschuldigung hin, er sei ein lausiger Manager, der sich nicht um den Erfolg des Betriebs kümmert, meinte er kurzerhand, er sei nur zuständig für die Gastronomie und nicht für den Gesamtbetrieb.
Wir auf jeden Fall hatten genug und verliessen diesen Betrieb mit einer Wut im Bauch, die für unser Wohlbefinden nicht förderlich war.
Ein Staatsbetrieb, der viel finanzielle Unterstützung von namibischer Seite, wie auch von ausländischen Investoren erhält, nur damit die Angestellten während den Arbeitszeiten allen möglichen Geschäften nachgehen können ausser denjenigen, die zur eigentlichen Anstellung gehören. An einem normalen Dienstag trafen wir in den fünf Büros gerade mal eine Angestellte an und für diese tat es uns auch leid, denn wir hätten sie gerne in ihrer Arbeitsverpflichtung unterstützt und ihr einen virenfreien Computer hinterlassen.
Mai 24th, 2009 | Category: Ohne Kategorie | Geschrieben von: andreas | Leave a comment