Testtag für die Lehrkräfte

30.7.2008 // 22:27
Abgelegt unter: // mirjam

Bereits vor zwei Wochen wurde gemunkelt, dass der Unterricht in den Schulen für einen weiteren Tag ausfallen wird, da für die Lehrkräfte ein Tag mit Gratis Gesundheitscheck, unter anderem auf HIV/Aids statt finden wird. Kurze Zeit später bestätigte eine Einladung diese Gerüchte und der Unmut darüber bei uns, wie auch dem Inspektor und den Schulleitern war gross. Die Lehrer steckten mit ihren Schülern mitten in den Prüfungsvorbereitungen und die Zeit ist sowieso immer knapp, aus diesem Grund ist ein weiterer unterrichtsfreier Tag ein grosser Verlust. Doch nichts desto trotz versuchten wir auch das Gute an diesem vom Gesundheitsministerium organisierten Testtag zu sehen. Während diesem besagten Datum wurde in unserer Region extra ein Testlokal eingerichtet, in dem alle Lehrkräfte, wie auch alle Angestellten im Erziehungsministerium sich gratis auf HIV/Aids, Malaria, TB und andere Krankheiten untersuchen lassen konnten. Ziel dieses Tages war es, die Lehrkräfte zu motivieren an einem Test teilzunehmen und somit vor allem auch ihren HIV-Status zu erfahren und dementsprechend handeln zu können. Mit den anderen Tests sollte die Hemmschwelle vermindert werden, sich überhaupt testen zu lassen. Weiter würde eine grosse Bereitschaft der Lehrer auch die weitere Bevölkerung animieren regelmässig einen Aidstest durchführen zu lassen, da die Lehrkräfte hier noch eine Vorbildfunktion einnehmen und zu den besten Ausgebildeten im Lande zählen. Weiter wären die Resultate hilfreich für Statistiken, da in der letzten Zeit die Vermutung auftaucht, dass bisherige Statistiken von zu hohen Zahlen von Infizierten ausgehen. Dies, weil für weltweit vergleichbare Zahlen nur schwangere Frauen getestet werden und so ein Durchschnitt der Gesamtbevölkerung fehlt. An besagtem Datum wurden nun alle Inspektorate und Schulen geschlossen, damit alle Angestellten sich zu dem Test einfinden konnten. Morgens um sieben sollten sich alle auf dem Schulgelände besammeln um von einem organisierten Bus zum Testlokal gefahren zu werden. Um acht war noch kein Bus aufgetaucht, den ersten Personen wurde das Warten zu lange und sie machten sich auf in die Stadt um den eben erst erhaltenen Lohn ab-zuholen (und auszugeben). Später gegen zehn Uhr wurden auch die anderen Wartenden ungeduldig und begaben sich missmutig wieder auf den Heimweg. Um elf Uhr tauchte dann endlich der versprochene Bus auf - leider war niemand mehr da um einzusteigen und zu dem Test gefahren zu werden.

Die Schlagzeilen in den Zeitungen sehen wir schon vor uns: Gratis Testtag wurde von den Lehrkräften nur mangelhaft in Anspruch genommen.

Ein Flachländer in der Luft

7.6.2008 // 21:24
Abgelegt unter: // andreas

Zu meinem 30 Geburtstag wurde ich mit einem wunderbaren Geschenk überrascht, einem Flug in Namibia. Lange habe ich probiert, jemanden mit einem Sportflugzeug zu finden, der mich über dem Norden Namibias herumkurven würde. Leider ist daraus nichts geworden, es gibt einige Sportflugzeuge im Norden, diese dürfen jedoch nicht für Rundflüge genutzt werden sondern nur um Gäste der Nobellodges abzuholen. Somit landete ich am selben Ort, wo der Wunsch nach einem Rundflug entstanden war, in Swakopmund. Auch in der Nebensaison sind Rundflüge über Sossusvlei ein Renner, und somit war es kein Problem, einen Sitz zu einem vernünftigen Preis zu bekommen. Glücklicherweise blies der Ostwind, an der Küste war schönes und heisses Wetter, ideal für einen Flug.

Nachdem alles Organisatorische geregelt war, die Gäste ihrem Gewicht entsprechend auf die Flugzeuge verteilt (!) waren und die Piloten sich vorgestellt hatten ging es los. Ein Flugzeug nach dem anderen brummte los und verschwand in der Ferne Richtung Süden und der Namib Wüste. Wir starteten als Letzte, das Kribbeln im Bauch wurde grösser und grösser bis wir endlich in der Luft waren. Gemächlich glitten wir durch die Lüfte, kein Gefühl von hohen Geschwindigkeiten.

Die Landschaft die sich mir auftat war fantastisch. Vieles erkannte ich wieder von unserer Reise auf dem Boden nach Sossusvlei und den roten Dünen; gleichzeitig war vieles neu. Aus der Vogelperspektive sah ich einiges, das einem vom Boden aus verborgen ist, die Dünen, die sich wie ein Rückgrat über Kilometer hinziehen oder das zarte Grün, das wie ein Schleier die lebensfeindliche Wüste bedeckte, die Kuisebschlucht, die dem Wachstum der Wüste Einhalt gebietet, da in der Regenzeit genügend Wasser fliesst, um die Wanderdünen ins Meer zu spülen. Wir flogen über die einfachen Hütten der Topnaar, über die Wüstenforschungsstation Gobabeb, das Tondabvlei, dem einzigen Brutort in Namibia des seltenen Kapgeiers, dies alles immer in respektvollem Abstand zum Boden. Ein Höhepunkt des Rundflugs bildete der Flug über Sossusvlei und dem Deadvlei. Erst von hier oben erfasste ich die Grösse dieser Endstation für den Tsauchabfluss. Traurig war nur zu wissen, dass das Flugzeug nun umkehren und sich auf den Heimflug machen würde. Doch warteten doch noch einige Sehenswürdigkeiten auf uns. Über die endlosen Dünenformationen - eine schöner als die andere - flogen wir Richtung Küste. Unter uns ehemaliges und jetztiges Diamanten Sperrgebiet und später der endlose Atlantik. Den Piloten war es wahrscheinlich etwas zu langweilig, auf jeden Fall übten sie sich in Flugakrobatik und flogen enge Kurven, unsere Rücken waagrecht. Kurze Zeit später rissen sie das Flugzeug in die Höhe, ein weiteres Manöver für den Magen. Der Grund war schnell klar, wir flogen über einem Naturschutzgebiet, dem Sandwich Harbour, einer ehemaligen Lagune, die langsam aber sicher vom Meer verschluckt wird. Trotzdem ist dieser Ort Brutplatz für abertausende von Seevögeln, darunter Flamingos und Pelikane.

Zum Abschluss flogen wir an Walvis Bay vorbei, konnten die riesigen Ausmasse der Salzgewinnungsanlage bestaunen, währenddem die Sonne langsam im Meer versank. Realismus und Romantik zur gleichen Zeit. Alles in allem war der Flug viel zu kurz, obwohl ich zugeben muss, dass ich ab und zu ein flaues Gefühl im Bauch hatte. Dies ist aber nach zwei Jahren Flachland wohl normal. Die Eindrücke waren einmalig und wunderschön und haben den bisherigen von unserem Gastland eine weitere Dimension hinzugefügt. Noch oft sind mir in der letzten Zeit innere Bilder von diesem Erlebnis aufgestiegen.

Kilometerlange Sanddünen wechseln sich ab mit einem hauchdünnen Grasteppich
Der Kuiseb
Sossusvlei (im Hintergrund) und Deadvlei
Die “Lange Wand”
Sandwich Harbour

Price Giving Ceremony 2008

6.4.2008 // 20:22
Abgelegt unter: // andreas

Um die Lehrkräfte zu guten Leistungen und überdurchschnittlichem Einsatz zu motivieren, werden jedes Jahr in Elim Circuit die besten Lehrkräfte mit Preisen belohnt. Dieses Jahr gab es auch einen Grund zum Feiern, denn die Resultate waren im Durchschnitt 10 Prozentpunkte besser als letztes Jahr. Die Zielvorgabe von 50% Schülern mit mehr als 23 Punkten aus 42 möglichen wurde erreicht. Elim Circuit erbrachte die besten Leistungen in der ganzen Region. Natürlich dürften die Resultate noch einiges besser sein, aber die Tendenz stimmt.

Jeweils die beste Schule im Schulbezirk ist Gastgeberin für die Feierlichkeiten. Dieses Jahr war dies die Nuuyoma Secondary School in Oshikuku. Einen Streich spielte den Organisatoren das Wetter. Eine Stunde vor Beginn schüttete es aus allen Himmelsschleusen und der Sportplatz stand nach wenigen Minuten unter Wasser. Das Zelt für die Ehrengäste beherbergte 10cm Schlamm, somit mussten die Ehrengäste nach draussen ausweichen. Da der Anlass nicht verschoben werden konnte, begann man mit einer Stunde Verspätung dennoch, mittlerweile hatte sich der Regen gelegt, einige mächtige Regenwolken schwebten aber noch über uns. Nach einer weiteren halben Stunde begann das Spiel von vorne und wir taten das Selbe, was ein origineller Schulleiter schon lange gemacht hatte um an der Feier teilzunehmen: Wir setzten uns ins Auto und warteten. Plötzlich stoppte der Platzregen von einer Sekunde auf die andere und der Himmel riss auf. Die Feier konnte weitergehen. Spätestens jetzt wussten wir wie das Schlechtwetterprogramm aussah: Die Gäste wurden nass und die schon schwer verständlichen Lautsprecherangaben wurden definitiv unhörbar.

Dank der unsicheren Wetterlage wurde die Preisverleihung vorangetrieben und einige Beiträge gestrichen, so dass das Festessen noch im früheren Nachmittag stattfinden konnte. Bevor es jedoch dazu kam, trug ich dazu bei, dass die Organisatoren etwas ungeduldig wurden, da ich Spezialpreise für fünf spezielle Mathematik Lehrkräfte verteilen durfte, die ich alle etwas erklären wollte. Eine nette Nebenerscheinung davon: Die Preise waren zwar nicht von mir finanziert, ich wurde aber später in der Zeitung als einer der Sponsoren erwähnt…

Impressionen zur Regenzeit

30.3.2008 // 16:15
Abgelegt unter: // andreas

Ganz so meinten es die Besitzer bei der Namensgebung wohl nicht!

Während dem die Einen ihren Wohnsitz und ihre Geschäfte schnell aufgeben, entwickeln Andere viel Fantasie und Arbeitswille um ihrer Arbeit dennoch nachgehen zu können.

Die schönen und vergnüglichen Seiten des Hochwassers lassen sich nun überall an den Ufern entdecken: Männer, Frauen und Kinder üben sich im fischen mit Netzen und Ruten. Es herrscht ein buntes Treiben wie auf einem Markt, für die hiesige Region eher ungewöhnlich. Bereits nach kurzer Zeit können die Meisten Fischer ihre ertragsreiche Beute nach Hause bringen und sich so für die nächsten Tagen die Fische als Ergänzung zum Mahangu gönnen. Die übrig gebliebenen Fische werden getrocknet und gelagert.

Nicht etwa ein vergessenes Überbleibsel, dass mit den Jahren von der Natur eingenommen wurde. Sondern ein Strassenarbeiter, der entweder seine Maschine überschätzte oder die Natur unterschätzte. Auf jeden Fall war die Strasse für längere Zeit nicht passierbar und ein Umweg durch Felder musste in Angriff genommen werden bis die Maschine wieder die Hindernisse beiseite räumen konnte und nicht selbst eines darstellte.

Eine Brücke in unserer Nähe hält die Strassenarbeiter ganz schön in Schach. Bereits mehrmals wurde die kritische Stelle mit Sand aufgefüllt, aber immer wieder war das Wasser stärker und schwemmte all die mühselige Arbeit innerhalb weniger Stunden wieder weg. Bis die Arbeiter letzte Woche genug hatten und über das Wasser siegen wollten. Bis jetzt hat sich der Aufmarsch all dieser Lastwagen gelohnt, die Strasse ist immer noch befahrbar.

Erstmals seit 1976 führt die Etoschapfanne wieder Wasser. Ein Naturspektakel für die Tiere, wie auch für die Menschen.

Ausnahmezustand wegen Hochwasser

29.3.2008 // 19:06
Abgelegt unter: // andreas

Auszüge aus der “Allgemeine Zeitung” vom 28. März 08

«Nach Regierungsangaben sind derzeit rund 60000 Menschen von dem Hochwasser betroffen, tausende von ihnen wurden bereits umgesiedelt. Schulen, Kliniken und etliche Häuser sind in vier Regionen, für die von Präsident Pohamba vor drei Wochen der Ausnahmezustand ausgerufen wurde, vom Wasser eingeschlossen. [..] Nach Angaben der Zweigstelle des Gesundheitsministeriums in der Oshana Region habe man derzeit rund 450 Cholera Fälle registriert, bislang seien zwei Menschen an der Krankheit gestorben.»

In unserer Umgebung halten sich die Auswirkungen des Hochwassers immer noch in Grenzen. Nur vereinzelt mussten Leute evakuiert werden und einige Strassen sind weder befahrbar noch begehbar. Doch bereits wenn wir durch Oshakati und Ongwediva fahren, können wir die überschwemmten Wohngebiete sehen, Brücken, die den starken Wassermassen kaum noch stand halten können und Menschen, die ihre Häuser verlassen und ein trockenes Zuhause auf Zeit suchen. Doch in diesen Städten können wir nur einen kleinen Teil der Auswirkungen sehen, den das schlimme Hochwasser befindet sich weiter nördlich. Wir staunen wie schnell die Regierung reagiert hat; Hilfsflüge für Menschen und Tiere werden organisiert, Nahrung verteilt, Notunterkünfte für all die Evakuierten organisiert und bereit stellt und immer wieder Strassen und Brücken ausbessert. Erst jetzt nach über zwei Monaten haben auch ausländische Organisationen ihre Hilfe zugesprochen. Wir hoffen, das sich die Cholera, wie auch weitere Krankheiten nicht noch weiter ausbreiten und möglichst schnell nun für all die Betroffenen wieder etwas Alltag einkehren kann.

Man nehme…

9.3.2008 // 18:11
Abgelegt unter: // mirjam
  • 30 min. Anfahrtsweg
  • 5 min. Mitteilung, dass ich diesen Morgen einen Vortrag über Unterrichtsmaterial halten werden
  • 10 min. Vorbereitungszeit Dies alles sorgfältig miteinander mischen und daraus ergibt sich einen 2-stündigen Vortrag.

So geschehen diese Woche. Ich wurde zu einem 10-tägigen Workshop für angehende Kindergärtnerinnen eingeladen und beschloss einen Tag daran teilzunehmen. Als ich einen Tag vorher ein Telefon der Leiterin erhielt und sie sich erkundigte ob ich nun auch wirklich komme, fand ich dies etwas merkwürdig, dachte mir jedoch nicht mehr dabei. Pünktlich um acht Uhr Freitags traf ich beim Versammlungsort ein und wurde sobald herzlich begrüsst und mir wurden einige Dokumente ausgehändigt. Nach einer Weile und einigen Erklärungen wurde mir dann klar, dass von mir erwartet wurde, dass ich an diesem Morgen einen Vortrag über Unterrichtsmaterialien halten sollte. Im Programm stand mein Name als Dozentin und der Vortrag sollte über zwei Stunden dauern. Tja, ich fügte mich in mein Schicksal und versuchte das Beste aus dieser Situation zu machen. In nur zehn Minuten plante ich diesen Workshop über Unterrichtsmaterialien ohne selbst Zeit zu haben Hilfsmaterialien herstellen zu können. Super Voraussetzungen für einen interessanten, praxisbezogenen Vortrag. Irgendwie gingen die Minuten nur so vorbei und wir bearbeiteten gemeinsam das vorgegebene Thema. Die Teilnehmer waren einigermassen aktiv dabei und die Hauptleiterin am Ende glücklich und dankbar. Doch ich selber kann nicht mehr genau nachvollziehen und erklären, was genau ich unterrichtet habe. Ich kann nur hoffen, dass es einigermassen Sinn machte und den Kindergärtnerinnen beim Unterrichten helfen wird.

Irgendwie hat es ein typisches Missverständnis gegeben, wie, wann und auf welcher Seite ist mir nicht so klar. Auf jeden Fall werde ich bei einem nächsten Mal alle Fühler ausstrecken und versuchen zu verstehen, was zwischen den Zeilen steht. Damit hätte ich hoffentlich auch mehr Vorbereitungszeit. Ich denke, das ist nicht zu viel erwartet.

Mirjam mit den beiden Workshopleiterinnen


Schlange, Strom, Gas und Wasser: Ein Wochenrückblick

24.2.2008 // 19:44
Abgelegt unter: // mirjam

Dienstag: Kurz nach dem Frühstück herrschte plötzlich emsiges Treiben in unserem Garten. Auf unsere Frage hin, er fuhren wir, dass auf der gegenüberliegenden Seite unseres Gartenzaunes Schlangenspuren im Sand entdeckt worden sind. Die Spuren liessen auf eine grössere Schlange schliessen und endeten in unserem Garten. So durchstöberten mehrere Schulangestellten und Schaulustige während dem ganzen Morgen unseren Garten, insbesondere die Guavenbäumen - doch die Schlange liess sich bis heute nicht blicken. Aber nach wie vor bewegen wir uns nur vorsichtig und mit grosser Wachsamkeit im Garten.

Mittwoch: Als wir nach einem Grosseinkauf unsere Lebensmittel im Kühlschrank unterbringen wollten, stellten wir fest, dass die Temperatur nicht viel kälter als draussen war. Der Strom war weg. Nach einigen Erkundigungen erfuhren wir, dass der Stromausfall nur auf dem Schulgelände war und nicht wie normalerweise in der ganzen Region. Ob dies Schlechtes oder Gutes bedeutete wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Als der Strom auch gegen Abend noch nicht zurückgekommen war, besorgten wir uns Eis um wenigstens das Fleisch im Tiefkühlfach weiterhin kühlen zu können.

Während dem Zubereiten und Kochen des Abendessens löschte plötzlich die Gasflamme auf dem Herd aus. Die Gasflasche war leer und weit und breit keine Ersatzflasche aufzutreiben. Somit mussten wir bei Kerzenlicht kalte Speisen verzehren.

Donnerstag: Die Elektriker tauchten auf und versuchten dem Stromausfall auf den Grund zu kommen. Was gar nicht so einfach schien. Doch im späteren Nachmittag flackerte die Glühbirne um kurz darauf voll zu erhellen. Der Strom war wieder da.

Nach einigen Abklärungen kriegten wir auch die Erlaubnis bei der Regierungswerkstatt eine Gasflasche gratis abholen zu können. Da die Werkstatt aber im 90 km entfernten Ondangwa liegt, musste zuerst das Tagesprogramm angepasst werden um losfahren zu können. Doch pünktlich zum Abendessen war die volle Gasflasche montiert.

Freitag: Nach einigen heftigen Gewittern ging der Strom erneut weg. Dieses Mal in der ganzen Region, dies bedeutete in Kürze auch kein fliessendes Wasser mehr im Haus, denn die Tanks konnten ohne Strom nicht mehr aufgefüllt werden. Gegen Abend als wir uns auf einen gemütlichen stillen Abend mit Kerzenschein einrichteten, erstrahlten plötzlich wieder alle Lampen, die Radiomeldungen waren hörbar und der Fernseher der Schule übertönte sogar die Schüler.

Doch das Wasser liess noch auf sich warten.

Samstag: Nachdem es die ganze Nacht hindurch geregnet hatte, wurde es für einige Häuser und Strassen immer prekärer. Die weggeschwemmte Brücke unserer Zufahrtsstrasse wurde zwar bereits provisorisch repariert, doch bereits hatte das Wasser in der Mitte der Strasse wieder ein Loch ausgespült. Der Wasserspiegel stieg bedenklich und schwappte bereits etwas auf die Strasse. So erschienen Lastwagen um Lastwagen um eine Sandmauer gegen die Fluten zu errichten. Bis jetzt hält die provisorische Schutzmauer noch stand, doch wie lange noch?

Immerhin kehrte im Verlauf des Tages das fliessende Wasser im Haus wieder zurück.

Man könnte meinen dies sei für eine Weile genug. Doch die Frage bleibt: Was kommt als nächstes?

Namibia Weblog - Die Zeit

17.2.2008 // 20:21
Abgelegt unter: // andreas

Wenn hier nichts Weltbewegendes passiert machen wir unser Namibia Tagebuch zu dem, was die ursprüngliche Idee eines weblogs ist: Eine kommentierte Sammlung von Internetlinks.

Vor kurzem sind wir auf ein Namibia blog von “Die Zeit” gestossen. In kompetenter, verstaendlicher Weise und auf unterhaltsame Art werden aktuelle Themen rund um Namibia aufgenommen. Bei uns hat der Artikel über aktuelle politische Geschehnisse im südlichen Afrika (und besonders unseres Nachbarn Simbabwes) für einiges mehr an Verständnis gesorgt.

Das Weblog findet sich unter folgender Adresse: http://blog.zeit.de/namibia//

Die beiden Seiten der Regenzeit

10.2.2008 // 12:28
Abgelegt unter: // mirjam

Die Regenzeit hält an und nach wie vor giesst es zwischendurch in Strömen. Weitere Pfützen entstehen, die Oshanas sind randvoll gefüllt, der Kanal ist schon längst über die Ufer getreten und immer noch strömt Wasser von Angola her in unsere Region. In Oshakati mussten ganze Gebiete evakuiert und die Bewohner in einer grossen Ausstellungshalle untergebracht werden. Einige Schulen wurden geschlossen, da es für die Schüler wie auch für die Lehrer kein Durchkommen mehr gab und die Ärzte und Spitäler fürchten sich vor kommenden Cholerafällen, da viele Toiletten unter Wasser stehen. Unsere Region hat es bis jetzt nicht so schlimm getroffen, hier wissen die Leute noch auf welchem Stück Erde die Häuser gebaut werden können ohne in der Regenzeit unter Wasser zu stehen und auch die Aussaat wächst im Eiltempo. Doch einige Auswirkungen spüren auch wir hier. Einer befreundeten Lehrerin verstarb der Schwiegervater und die Beerdigung wurde in der Kirche Elim organisiert. Bei Trockenzeit hätte die Trauerfamilie einen kurzen Weg zurück zu legen, da sie aber leider auf der anderen Seite der zerstörten Brücke wohnen, mussten sie einen längeren Umweg in Kauf nehmen. So zog der gesamte Trauerzug zuerst nach Oshakati, auf der anderen Seite wieder Richtung Oshikuku um danach wieder in Elim anzugelangen. So wurden aus den 3 km plötzlich 70 km die zurückzulegen waren um zu der Kirche zu gelangen und das Selbe auf dem Rückweg zum anschliessendem Essen im Hause der Trauerfamilien. Den gleichen Weg müsste die Lehrerin auch fahren um in die Schule zu gelangen, doch sie hat sich nun entschlossen durch das Wasser zu waten und erscheint jeweils bis zu den Hüften durchnässt in der Schule.

Die andere erfreulichere Seite der Regenzeit: Es wächst und gedeiht momentan überall. In den Wasserläufen wachsen weisse Wasserlilien, alles leuchtet in den verschiedensten grün und auf den Feldern wie auch im Garten wächst und blüht es. Die Granadillas (Passionsfrucht), die unser Schattendach über dem Gartensitzplatz bilden erblühen momentan in den schönsten Farben und die Bienen haben ihre Freude daran.

Mathematiklehrer unter sich

3.2.2008 // 16:25
Abgelegt unter: // andreas

Eigentlich würde man von Mathematiklehrern keine schlampigen Berechnungen erwarten, aber vorletzte Woche erfuhr ich etwas anderes. Ich plante für dieses Jahr einen Workshop möglichst früh im Jahr anzubieten, damit Informationen über grundsätzliche Dinge und Änderungen im Erziehungswesen möglichst früh unter den Lehrkräften gestreut werden könnten. Zuerst dachte ich nur an Elim Circuit, der Mathematik Weiterbildner für die Omusati Region fragte mich aber an, zusammen mit ihm einen regionalen Workshop in Oshakati mit den gleichen Zielen zu planen. Inhaltlich hatten wir einiges zu bieten und ich freute mich. Ich würde diese Gelegenheit gerade auch nutzen können, um vorzuzeigen, wie man mit einfachen Mitteln eine Wandtafel mit Gittermuster speziell für den Mathematikunterricht herstellen kann. Etwa einen Monat vor Beginn des Workshops, teilte mir S.Gervasius mit, dass wir nach Ruacana ausweichen müssten, also gerade ans andere Ende der Omusati Region, in die Berge. Die gemeinsame Vorbereitungen zu den Inhalten verlief erstaunlich gut, die Organisation der Unterkunft und des Essens überliess ich ihm, da er die nötigen Kontakte hatte und den Dienstweg kannte. Er konnte mir zwar nie die Nummer der Schulen in der Region nennen, aber irgendwie würde das schon klappen. Als er von 250 Lehrkräften sprach, fand ich das zwar schon etwas hoch und schlug 150 vor, aber man würde dann sehen.

Als wir in Ruacana ankamen, fingen die Probleme an. Ruacana besteht aus einer Schule, Unterkünften für die Angestellten des nahegelegenen Wasserkraftwerks und einigen Privathäusern. S.Gervasius erklärte mir, dass unser Tagungsort Platz für 70 Personen biete, die Zahl die er erwarte. Hmm. Von 250 Lehrkräften über 150 zu 70, ob das gut kommt? Später fand ich heraus, dass der Tagungsort Platz bietet für 30 Personen, doch etwas weniger als erwartet. Das nahegelegene Gästehaus bot Platz für die gleiche Zahl. Als immer noch mehr Lehrkräfte in Ruacana eintrafen, wurde es langsam eng, und aus 30 Betten wurden plötzlich 60, als nämlich die Lehrkräfte gezwungenermassen ihre Betten teilten. Am nächsten Morgen beim Frühstück erfuhr ich, dass auch das Essen nur für 70 Personen bestellt war. Dies bedeutete. dass die Hälfte der anwesenden Lehrkräfte hungrig in den Tag starten mussten.

Während eines feurigen Vortrags von S. Gervasius entdeckte ich eine von ihm erstellte Rangliste aller eingeladenen Schulen in der Region, es waren über 110. Zahlen sind nicht jedermanns Sache: Dass diese Zahl Grundlage bieten könnte für die Planung der Unterkunft, des Essens und der Kopien sein könnte ist ausgeschlossen, schliesslich ist es eine Rangliste und nicht eine Adressliste… Klassischer Fall von Tunnelblick oder Scheuklappen. Na ja, der Workshop fand statt, einige wenige Lehrkräfte gaben auf, die restlichen waren erstaunlich gut dabei.

Inhaltlich war es trotzdem ein Erfolg und für mich eine tolle Erfahrung, vor so vielen Leuten zu sprechen und dafür zu sorgen, dass alle Informationen an den Mann oder die Frau kamen.

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