Ai Ais – kochendes Wasser
Nun führte uns unser Weg aus Lüderitz raus und weiter in den Süden Namibias. Über lange Strecken hinweg begegneten wir Niemandem, nur Weite, Zäune und Büsche. Ironischerweise tauchten immer dann am meisten Autos und Leute auf, wenn die Blase entleert werden sollte!
Nach einigen hundert Kilometer Fahrt durch trockene Savanne und felsige Gebirgslandschaften glaubten wir eine Fata Morgana vor uns zu haben, als ein grosses Sportfeld mit saftig grünem Gras unsere Aufmerksamkeit erregte. Wir hatten Rosh Pinah erreicht, eine Minenstadt weit weg von allen Zentren und doch ausgerüstet mit allem Nötigen. Die Reihenhäuser sahen sich alle zum Verwechseln ähnlich und wirkten ausgestorben, da alle Bewohner in den Minen am Arbeiten waren und erst am Abend dem Städtchen wieder etwas Leben einhauchen würden. Wir tankten nach und liessen diesen merkwürdigen Ort hinter uns um kurz darauf wieder erstaunt inne zu halten: Nach einer Kurve schlängelte sich der Oranjeriver lieblich durch die Landschaft. An seinen Ufern wuchsen Bäume und Büsche und Schafherden weideten auf den Wiesen. Die Strasse führte uns lange Zeit dem Flussverlauf nach, bis sie Richtung Norden abbog und uns nach Ai-Ais führte.
Ai-Ais war unsere letzte Destination in Namibia für längere Zeit und auch der Ort, an dem sich der Weg meiner Eltern von unserem trennte. Während dem Baden im natürlich heissen Wasser erinnerten wir uns gegenseitig an all das Erlebte unterwegs, an all die Tierbeobachtungen und Begegnungen, schmunzelten ab manchen Erinnerungen und schauderten bei anderen. Doch bevor wir alle Schwimmhäute zwischen den Zehen und Finger hatten, war es Zeit Abschied zu nehmen von meinen Eltern, wie auch von Namibia.
Der erste Teil unserer Abschlussreise war somit zu Ende und dankbar konnten wir auf einen unfall- wie auch pannenfreien Monat zurück blicken.