Wieder zu Hause
Vielleicht zu Beginn kurz eine Definition von “Heimat” und “zu Hause”: Momentan kommt es häufig zu sprachlichen Verwirrungen, da wir von der Schweiz, wie auch von Namibia als unserer Heimat sprechen. Wobei wir jedoch die Schweiz als unser Heimatland betrachten, mir der uns vertrauten Kultur und Sprache. Unsere Heimat in Namibia befindet sich jedoch ganz klar nur in Elim, unserem Haus und dem uns lieb gewonnenen Garten.
Es ist bereits wieder eine Weile her und dennoch möchte ich noch kurz auf unsere Rückreise nach Elim eingehen. Der Flug verlief ruhig und ohne grössere Verspätungen. Kaum öffneten sich die Flugzeugtüren auf namibischem Boden strömte uns die hitzige Sommerluft entgegen und die Augen mussten sich erst an das helle Sonnenlicht gewöhnen.
Wir verbrachten einige Tage in Windhoek um uns wieder mit dem namibischen Klima vertraut zu machen, bevor wir unser Auto packten und uns aufmachten in den Norden. Doch dieses Vorhaben wurde bereits bei der ersten Polizeikontrolle unterbrochen. Der diensthabende Polizist verlangte nach der obligatorischen Begrüssung nach unseren Pässen. Wie üblich reichten wir ihm unsere Identitätskarte, wie auch unseren Fahrausweis raus. Normalerweise stillten sie kurz ihre Neugier, lasen den Namen laut vor und machten eine kurze Bemerkung zu unserem Herkunftsland und danach durften wir weiter fahren. Doch nicht an diesem Tag. Der Polizist würdigte unsere Ausweise keinen Blick und meinte nur, wie er auf diesen unser Visum sehen solle, er wolle unsere Pässe. Ziemlich erstaunt erklärten wir ihm, dass wir die nicht bei uns haben, denn die weilen in Windhoek, damit unser Visum verlängert werden kann. Gar nicht zufrieden über unsere Auskunft, winkte er uns zur Seite und beorderte eine weitere Angestellte hinzu. Diese liess sich die ganze Geschichte nochmals erklären und meinte kurz angebunden: ” Diese Ausweise kann ich nicht akzeptieren, ich sehe nicht ob ihr legal im Land seit.” Auf unsere Frage hin, was denn jetzt genau geschehen soll, meinte sie kurzerhand, wir müssen halt mit den Pässen wieder auftauchen, vorher sei an eine Weiterfahrt nicht zu denken. All unsere Überredungskünste waren vergeblich, denn wir befanden uns wirklich in einem Dilemma; unsere Pässe waren in einem Safe eingeschlossen, in einem abgeschlossenen Haus und die Schlüssel weilten mit dem Koordinator in den Ferien, an einem Ort, den wir nur erreichen konnten, wenn wir die Polizeikontrolle durchqueren. Als der Polizistin unsere Erklärungsversuche zu bunt wurden, drohte sie uns mit einem Gefängnisaufenthalt, bis jemand die gewünschten Dokumente vorweisen kann und mit Kindern sei dies ja bekanntlich nicht toll. Sie würde es nicht gerne machen, aber wenn es sein muss…
Tja, an dieser Frau war kein Vorbei kommen und so traten wir wieder den Rückweg nach Windhoek an. Wir versuchten die Reinigungshilfe der Koordination ausfindig zu machen, denn diese besitzt einen Schlüssel zum Haus und somit kämen wir an unsere Pässe heran. Das grosse Problem war nur, dass niemand so genau wusste, wo diese Frau lebt. Also, kurvten wir im besagten Quartier herum, versuchten ein bekanntes Gesicht ausfindig zu machen und fragten alle Fussgänger nach unserer Bekannten. Und tatsächlich, wir wurden fündig. Nun mit dem Schlüssel schnell zurück zur Koordination, Pässe heraus holen, Schlüssel zurück bringen und schon waren wir wieder auf dem Weg zur Polizeikontrolle. Ging schneller als gedacht.
Die zuständigen Polizisten beendeten bereits ihre Schicht, die nun Diensthabenden sassen in ihren Stühlen abseits der Strasse und winkten zwischendurch die Autos vorüber, wie wenn sie eine Fliege verscheuchen wollten. Wir waren kurz davor einfach weiter zu fahren, doch unser Verantwortungsgefühl siegte und so stiegen wir kurz aus und zeigten unsere Pässe. Zu unserem Erstaunen war die zuständige Polizistin bestens im Bild über uns und professionell beendete sie den Eintrag ihrer Vorgängerin. Nun konnten wir mit gutem Gewissen weiterfahren. Eins lernten wir aus diesem Erlebnis wieder mal: Kreuze nie den Weg von Staatsangestellten, wenn ein Vorgesetzter mit dabei ist. Wie wir heraus fanden, war nämlich während unserem ersten Treffen an diesem Tag mit der Polizei ein Vorgesetzter anwesend und zudem war noch Schichtwechsel, somit waren die Angestellten übermotiviert korrekte Arbeit zu leisten. Zehn Minuten später und sie hätten uns mit einem unaufmerksamen Winken vorbei kommandiert. Tja, ist ja noch mal gut gegangen.
Einen Tag später erreichten wir dennoch Elim, unser zu Hause. Freudig und überschwänglich wurden wir von den Securitas, die das Schulgelände und somit auch unser Haus bewachen, begrüsst und über die grösseren Neuigkeiten informiert. Unser Haus, wie auch der Garten waren in einem sehr gepflegten Zustand, die Blumen blühten, die Erdbeeren waren saftig rot und auch die Guaven lockten nebst den Vögeln auch uns gleich in den Garten. Es war schön wieder zu Hause zu sein.