Arbeit Andreas
Hintergrund
Namibia ist ganz klar ein Entwicklungsland, aber nicht eines der ärmsten Entwicklungsländer. Zum Beispiel sind Kommunikation und Transport verhältnismässig gut ausgebaut. Das Gleiche gilt auch für die Infrastruktur an Schulen. Es fehlt nicht an allem, sondern Entwicklung kann stattfinden und ist sogar beobachtbar. Natürlich gibt es nach wie vor auch viele Schulen, welche schlechte Infrastruktur haben und an denen sich die Lehrkräfte täglich abmühen, auch nur einigermassen gut zu unterrichten.Das Schulsystem in Namibia ist stark zentralisiert, es gibt zum Beispiel nur einen Lehrplan, zwei Mathebücher und eine Abschlussprüfung für das ganze Land, etwas was in der Schweiz kaum vorstellbar ist. Im Moment läuft eine Bewerbung für einen Schulleitungsposten so ab: An unserer Schule ist ein Schulleiter gesucht worden. Bewerbungsgespräche finden statt, die Schulkommission und der Inspektor für den Schulbezirk geben je eine Empfehlung ab. Die 3. Empfehlung kommt von der Regionaldirektion, alle Unterlagen werden nach Windheok gesendet. Das Ministry of Education entscheidet aufgrund der 3 Empfehlungen. Der Entscheid wird wieder nach unten kommuniziert und der gewählte Schulleiter kann seine neue Arbeitsstelle antreten. Dezentralisierung ist ein laufender Prozess, welcher viele Verbesserungen bringen sollte. Beim Beispiel Bewerbung wird in Zukunft die Entscheidung auf Regionalebene getroffen. Mehr Mitbestimmung und kürzere Entscheidungswege helfen mit, dass motivierter gearbeitet wird und mehr Bewusstsein für Kosten entsteht.
Ursprünglicher Auftrag
Der Mathematikunterricht in Elim Circuit soll deutlich besser werden, dies ist messbar anhand der Prüfungen in der 10 Klasse (bisher bestanden 4 aus 10 SchülerInnen die Prüfung). Ohne diese Prüfung ist es praktisch unmöglich, eine weitere Ausbildung zu machen, und später eine anständig bezahlte Arbeit zu finden.
Methoden welche zu Beginn des Einsatzes ins Auge gefasst worden sind: Teamteaching, also gemeinsames Unterrichten, Workshops, d.h. Weiterbildungen, Unterrichtsbesuche mit Rückmeldung, individuelle Betreuung übers ganze Jahr.
Die Ziele sind gleich geblieben, aber ich habe meine Schwerpunkte etwas verlagert. Ich habe festgestellt, dass ich mit gleicher Energie auf Schulbezirksebene viel mehr erreichen kann. Meistens mangelt es den Schulen nicht an geeigneten Lehrkräften, sondern an einer Schulleitung, die als Beispiel vorangeht und den “Durchblick” hat. So versuche ich auf Schulbezirksebene die Rahmenbedingungen zu verbessern und nicht mehr direkt in den Unterricht einzugreifen.
3 Standbeine meiner Arbeit
1) Arbeit mit dem Inspektor: Verbesserungsvorschläge, Rückmeldungen von Schulbesuchen besprechen, Stundenplan
Dass das Projekt sich so entwickelt hat und sich immer mehr Türen geöffnet haben war nur möglich, dank der guten Zusammenarbeit mit dem Inspektor, der gleichzeitig mein Vorgesetzter ist. Irgendwie habe ich ihn überzeugen können, dass ich etwas für Elim zu bieten habe. Im Gegenzug setzt er sich auch für uns ein, wenn wir anstehen. Wir schätzen die gegenseitige Arbeit, sind froh um die Fähigkeiten des anderen. Wir erwarten viel von einander sind aber auch bereit selber viel zu geben. Dies denke ich, ist ein Schlüssel für erfolgreiche Arbeit. Hat man die Unterstützung eines Vorgesetzten der Mitarbeitenden (in meinem Fall die Lehrkräfte) gibt das der Arbeit automatisch mehr Gewicht und Autorität. Hier in Namibia zählt häufig die Position in der Hierarchie mehr als die Person und ihre Fähigkeiten. Seit ich zum Beispiel meine Einladungen für Workshops vom Inspektor unterschreiben lasse, habe ich kaum noch Probleme mit unentschuldigten Absenzen.
2) Arbeit mit Schulen und Lehrkräften, soweit sinnvoll und erwünscht (gibt mir Einblick in das Schulwesen und dessen Probleme)
3) Regionale Vernetzung: Zusammenarbeit mit dem Advisory Teacher für Mathematik, den anderen Inspektoren (WS für Sekretäre und Sekretärinnen, vor allem was Zahlen angeht, Statistiken, Verarbeiten am Computer, etc), BES3 und AED (lokale Geldgeber). Als Beispiele sind hier zu nennen: Das Mathbrett für die ganze Region, Planungshilfen, Weiterbildungen
Das Mathbrett
zeigt die Vernetzung dieser Punkte und auch die Entwicklung einer Beobachtung schön auf: An vielen Schulen beobachtete ich, dass Lehrkräfte bei Themen, für die ein Gitternetz gebraucht wird (und das sind viele) notgedrungen das Gitter jedes Mal von Hand mit Kreide an die Wandtafel zeichnen, danach die Aufgabe hineinzeichnen. Für die nächste Aufgabe muss praktisch alles gelöscht werden und von vorne begonnen werden. Somit geht zum Teil schnell die Hälfte der Lektion verloren mit Gitternetz zeichnen. Für die meisten Schulen ist es zu teuer, eine kommerzielle Wandtafel zu kaufen. Aufgrund dieser Beobachtung entwickelte ich ein tragbares Mathbrett, das wie ein Whiteboard funktioniert, aber auch schon die Gitternetzlinien hat. Der erste Workshop war für “meine” Lehrkräfte, die das Angebot sehr schätzten. Aufgrund des grossen Echos, war ich letzten Juni zusammen mit dem Mathematikweiterbildner in der ganzen Region unterwegs, um diese wichtige Unterrichtshilfe allen zugänglich zu machen. Vor kurzem wurde ich angefragt, einen Workshop für alle nördlichen Regionen anzubieten, was mich sehr gefreut hat und mir auch zeigt, dass ich mit diesem Workshop ein bestehendes Bedürfnis aufgegriffen habe.Wenn ich retour blicke, fällt mir auf, dass ich mit enorm vielen Lehrkräften zu tun hatte, welche mittlerweile wieder weg sind, da sie befördert wurden, an eine andere Schule gingen und so weiter. Die vielen und häufigen Wechsel machen es schwierig, Konstanz in die Arbeit zu bringen und erfordert immer wieder Bereitschaft auf neue Lehrkräfte zuzugehen. Gleichzeitig werden so auch Ideen, Materialien und Programme weitergegeben und werden auch in anderen Regionen angewendet.

