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Als Tourist in der Heimat

Nach drei Jahren reisten wir zum ersten Mal zurück in unsere ursprüngliche Heimat. In Flip Flops, kurzen Hosen und T-Shirt gekleidet bestiegen wir in Namibia das Flugzeug und verliessen es in Turnschuhen, langen Hosen und Winterjacken. In Frankfurt warteten wir über eine Stunde auf unseren Anschlusstransport. Diese Wartezeit nutzten wir – typisch Namibisch – in vollen Zügen um all das Neue zu beobachten und soweit möglich zu verarbeiten. Nathan staunte nicht schlecht als das Pissoir sich selber reinigte, sobald er sich entfernte und der Wasserstrahl plötzlich über seine Hände plätscherte ohne dass er den Wasserhahn aufgedreht hatte. Andreas wollte uns ein Kaffee besorgen, ging selbstbewusst auf die Verkäuferin zu und wollte bestellen. Doch er wurde kurzerhand unter bösen Blicken ans Ende der Reihe geschickt. All die gestressten Leute, die viel Wert auf ihr Äusseres zu legen scheinen, schüchterten mich so ein, dass ich froh war mich vorläufig nicht in die Menschenmenge mischen zu müssen. Timon machte das einzig Richtige in dieser Situation – er schlief. Kurz darauf fanden wir aber den richtigen Zug und genossen die Fahrt in die Schweiz. Auf den Feldern lag noch der erste Schnee, die Häuser, Strassen, Autos und Wälder zogen schnell an uns vorbei und innerlich wurden wir immer ruhiger und freuten uns auf das neue Abenteuer Schweiz. Erstaunlicherweise gewöhnten wir uns rasch an die Kälte, hingegen nicht an all die vielen Kleiderschichten. Bereits am zweiten Tag wurde es Nathan zu viel und er rannte sommerlich bekleidet und ohne Schuhe nach draussen in den Schnee. Doch nach kurzer Begrüssung des Schneemannes kehrte er bibbernd wieder zurück in die Wärme und fügte sich in Zukunft widerwillig in das lange Ankleidungsprozedere. Bei unseren ersten Einkaufstouren staunten wir zwar ab all den Auslagen, doch die zuvorkommende Freundlichkeit der Angestellten liess uns völlig erstaunt, unsicher und misstrauisch die Läden wieder verlassen, meistens mit einem Bruchteil dessen, dass auf unserer Liste stand. Nicht dass die Namibier unfreundlich sind, aber eine solche Zuvorkommenheit, den Überblick über alle Waren zu haben und einen innigen, freundlichen Blickkontakt ist den Meisten fremd. Auch das Autofahren stellte sich als tückisch heraus. Der Rechtsverkehr meisterten wir noch mit Bravour, aber die Strassen sind so eng und entweder von einem Abgrund oder einer Häuserreihe gesäumt. So zuckten wir jedes Mal bei einem entgegenkommenden Fahrzeug zusammen und verlangsamten das Tempo um das Risiko eines Zusammenpralls möglichst klein zu halten. Zum Glück geschah nie wirklich was, aber wir bevorzugten alle das bequeme, pünktliche Verkehrsmittel mit Chauffeur – auch Zug genannt. Nach einigen Tagen gewöhnten wir uns wieder an den Schweizer Alltag und blieben doch die ganze Zeit über die staunenden Touristen, die sich äusserlich erstaunlich gut in die schweizerische Bevölkerung integrierten.

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