Arbeiten im Elfenbeinturm – Bürokratie Teil 3
Kurz nachdem unser Sohn geboren war, suchte Andreas das Zivilstandesamt in Oshakati auf um eine Geburtsurkunde für Timon Iipumbu zu bestellen. Die zuständige Angestellte verweigerte diese jedoch mit der Begründung, dass Timon mit dieser Urkunde automatisch Namibier wird. Sie stellte jedoch eine Geburtsbestätigung aus und wir vertrauten ihr, somit das richtige Dokument in der Hand zu halten. Auf Nachfrage beim Schweizerischen Konsulat in Kapstadt erfuhren wir jedoch, dass diese Bestätigung nicht ausreicht. Der Honorarkonsul in Windhoek meinte jedoch das reiche aus, der Informationsstand in Kapstadt sei veraltet. Tja, wer hatte wohl nun recht? Wir vertrauten der Meinung, die uns vor weiterer Arbeit schützte und schickten die Bestätigung an die Botschaft in Kapstadt. Unsere Hoffnung, dass die Geschichte somit erledigt ist wurde bald zunichte gemacht, denn die Bestätigung kam zurück mit der Aufforderung doch bitte eine Geburtsurkunde aufzutreiben.
Der zweite Gang auf das Zivilstandesamt wurde unausweichlich nur um eine weitere Absage zu erhalten. Nun versuchten wir es in Windhoek, dem Hauptbüro des Zivilstandesamtes. Die Auskunft dort liess uns wieder hoffen, denn es sei klar, dass wir eine Geburtsurkunde für unseren Sohn erhalten werden. In Windhoek könne diese aber nicht ausgestellt werden, da Timon im Norden Namibias geboren sei. Zurück auf dem Amt in Oshakati verlangte Andreas den Chef zu sprechen. Mr. T wie er sich nennt, zeigte sich relativ verständnisvoll, weigerte sich jedoch immer noch die Geburtsurkunde auszustellen. Er vertraue den Leuten in Windhoek nicht (immerhin seine Chefs) und brauche mehr als diese Meinung um ihm den Rücken zu decken, falls er uns diese Urkunde ausstelle. Nun waren wir wieder am Zug und fragten beim Botschafter an, ob er uns eine Bestätigung schreiben könne, dass wir keinen namibischen Pass für Timon möchten, sondern das Dokument benötigen um Timon in der Schweiz zu registrieren und einen Schweizer Pass beantragen zu können. Doch der Botschafter verneinte diese Anfrage per email. Seine Begründung lautete wie folgt:
“Gemäss internationalen Gepflogenheiten und Abkommen führt jedes Land Geburtsregister und erstellt Auszüge daraus, unabhängig der Nationalität und Aufenthaltsstatus des Gesuchsstellers. Eine Bestätigung kann aus diesem Grunde nicht in der gewünschten Form gemacht werden.”
Da auch dieser Weg sich als Sackgasse heraus stellte, versuchten wir einen weiteren Weg. Wir fragten alle uns bekannte Namibier, ob sie einen höheren Angestellten auf dem Zivilstandesamt kennen. Tatsächlich kannte der Chef von Andreas jemanden der mit der obersten Chefin im Exil war. Doch auch dieser Weg versandete, denn die Chefin befand sich ausserhalb des Landes, und alle anderen hatten nicht den Mut oder die Kompetenz, ein Machtwort zu sprechen.
Wir versuchten es erneut beim Konsulat in Kapstadt, dieses Mal per Telefon. Sobald ich meinen Namen erwähnte, wurde ich sogleich mit dem Konsul höchstpersönlich verbunden. Dieser liess mich nicht ausreden und erklärte mir erneut, er dürfe, könne und werde mir die erwünschte Bestätigung nicht schreiben, es sei nicht seine Schuld, dass wir an so einem primitiven Ort wohnen. Ich schluckte drei mal leer, versuchte weiterhin freundlich zu bleiben, da ich in der Position des Bittstellers war. Auf meine Frage hin, was für Möglichkeiten wir denn jetzt noch ausschöpfen könnten, meinte er, vielleicht sei es besser wenn wir in Namibia bleiben. Inzwischen stimmte ich dem wirklich zu, dennoch versuchte ich es nochmals, ob es denn im schlimmsten Fall einen Expresspass gibt, den wir beantragen können. Da meinte der Botschafter kurzerhand, nein solche Möglichkeiten gibt es nicht, wir sollten unseren Sohn halt in Oshakati lassen. Soviel zum Thema Schweizer Diplomatie, ich auf jeden Fall hatte genug davon und hängte den Hörer auf.
Timon war inzwischen 2 Monat alt und wir hatten die Nase gestrichen voll. So schilderten wir das ganze Prozedere dem Bernischen Zivilstandsdienst und erbaten uns Unterstützung aus der Schweiz. Eine Antwort erhielten wir nicht, dafür rief der Namibische Honorarkonsul kurz darauf an um unsere Details und diejenigen des Zivilstandesamtes in Oshakati einzuholen. Er habe den Auftrag erhalten uns eine Bestätigung zu schreiben. Am nächsten Tag hielten wir den lang ersehnten Brief in den Händen und machten uns augenblicklich auf den Weg zu Mr. T. Dieser zeigte sich nicht sonderlich erfreut uns wieder zu sehen und betrachtete die Bestätigung kritisch. Wir sollen am Montag wieder kommen, denn Donnerstags und Freitags werden keine Geburtsurkunden ausgestellt, aber am Montag werde sie abholbereit sein.
Vorsichtig geworden, riefen wir Montags früh auf das Zivilstandesamt an bevor wir uns auf den Weg dorthin machten. Tatsächlich, das Dokument war noch nicht ausgestellt und Mr. T nicht im Büro. Andreas erreichte ihn übers Handy und erhielt die Auskunft, dass er zuerst noch mit Windhoek Kontakt aufnehmen müsse, bevor er unser erwünschtes Dokument ausstellen könne. Nun platzte uns langsam aber sicher der Kragen und wir schalteten wieder mal den Chef von Andreas ein. Dieser telefonierte sofort mit Mr. T und verabredete sich mit ihm am Mittwoch. Gesagt, getan, Andreas und Hans trafen bereits vor acht Uhr auf dem Zivilstandesamt ein um auch ja die Ersten zu sein, die zu Mr. T vorgelassen wurden. Nach der obligaten Wartezeit wurden sie empfangen und nach längerem Gespräch überwand sich Mr. T zerknirscht doch noch dazu die Geburtsurkunde für Timon auszustellen.
Nach zweieinhalb Monaten waren wir tatsächlich Besitzer einer Geburtsurkunde für Timon Iipumbu Richard. Nun ist das Dokument unterwegs in die Schweiz um Timon dort zu registrieren. Sobald dies geschehen ist, dürfen wir das Passantragsformular ausfüllen und auch dieses wiederum in die Schweiz senden, so dass wir Timon doch noch mit zurück in die Schweiz nehmen dürfen. Auch wenn es dem Konsul in Kapstadt anscheinend egal gewesen wäre, wenn es anders gekommen wäre.
Ende gut, alles gut – hoffentlich.