Zimbabwe und Namibia
Das Thema Zimbabwe beschäftigt uns bereits seit längerer Zeit und es wird wohl auch nicht so schnell ruhen. Die Berichterstattung hat sich seit den Wahlen zwar wieder etwas beruhigt oder zumindest stark verändert. Vor den Wahlen tauchten immer schrecklichere Bilder und Berichte aus Zimbabwe auf über Gewalttaten und Diskriminierung gegen die schwarze und weisse Bevölkerung. Nach dem angeblichen Sieg von Robert Mugabe melden sich nun vermehrt die Intellektuellen Afrikaner zu Wort, versuchen die Politiker wie auch die südafrikanische Bevölkerung zu sensibilisieren, zu motivieren und zur Unterstützung im Kampf gegen die Diktaturen zu bewegen.
Einer der prominentesten Kritiker ist Moeletsi Mbeki, stellvertretender Vorsitzender des Instituts für Internationale Beziehungen Südafrikas in Johannesburg. Sein Bruder Thabo Mbeki ist Präsident Südafrikas, doch Moeletsi gehört zu seinen schärfsten Kritikern. Eine Zusammenfassung aus einem seiner Artikel erschienen in der Zeitschrift “Welt-Sichten” möchten wir euch nicht vorenthalten:
Afrika braucht eine Renaissance, damit der Kontinent sich aus seiner Misere befreit. Seit zehn Jahren vertreten wichtige Politiker im südlichen Afrika dieses Credo. Doch die Ereignisse um die Wahl von Robert Mugabe in Zimbabwe zeigen, dass die Führer dieser Renaissance nicht trauen, wenn sie tatsächlich stattfindet, so wie in Zimbabwe. Was gehört zu einer Wiedergeburt Afrikas? Drei Dinge benannte Thabo Mbeki im Jahr 1997:
1. eine neue Gewerkschaftsbewegung, die sich nicht nur mit Arbeitsbedingungen und Löhnen, sondern auch mit Eigentumsfragen und dem Management der Betriebe befasst.
2. eine breite städtische Mittelschicht von Fachkräften und Unternehmern, die Eigentum besitzt.
3. Demokratisierung
Alle drei Punkte setzten die Bürger ZImbabwes seit 2000 in die Tat um: Die Partei “Movement for Democratic Change” die zurzeit unterdrückt wird, kommt aus den Gewerkschaften und wird von prominenten Zimbabwern unterstützt. Sie kämpft für eine demokratischere Verfassung, gegen Korruption und die Misswirtschaft. Der Aufstieg der MDC stand mehr als alles andere für die afrikanische Renaissance. Als Zimbabwe vor 28 Jahren unabhängig wurde, war die Gesellschaft einfach strukturiert, die Schichtzugehörigkeit wurde von der Rasse bestimmt. Doch bis 2000 entstand eine völlig andere Gesellschaft mit einer komplexen Sozialstruktur. In diesem dynamischen Umfeld blieb nur die Regierungspartei Zanu-PF unverändert. Und diese rückwärts gewandte Partei war es, die jetzt unter den Augen der Nachbarstaaten die mustergültige Renaissance in Zimbabwe zerschlug. Warum schaut das südliche Afrika einfach zu, wie seine selbst propagierte Renaissance zunichte gemacht wird?
In erster Linie liegt es an der Angst der lokalen Führer vor dem Erstarken demokratischer Kräfte. Hier regieren noch die nationalistischen Parteien, die die Unabhängigkeit einst erkämpften: Zanu-PF in Zimbabwe, MPLA in Angola, CCM in Tansania, Frelimo in Mocambique, BDP in Botswana, ANC in Südafrika und Swapo in Namibia. Die Antikolonialisten beanspruchen das Recht, ihre Länder auf ewig zu regieren. Rechenschaftspflicht gegenüber den Bürgern lehnen sie ab. Doch letztlich werden die nationalistischen Parteien und Regierungen den Gang der Geschichte genauso wenig aufhalten können wie einst die Kolonialherren. Mugabe und die Seinen haben nur einen kurzfristigen Sieg errungen.
In Zimbabwe ist der Wahlkampf nun vorbei und somit hoffentlich auch der Höhepunkt all der Gräueltaten. Doch wie lange wird die Partei um Robert Mugabe das Land noch beherrschen können? In Namibia werden nächstes Jahr Wahlen statt finden und die Propaganda ist bereits in vollem Gange. Vor kurzem wurde aus den eigenen Reihen der momentan führenden SWAPO Partei eine neue Partei gegründet, da einige mit den Leitlinien nicht mehr übereinstimmten. Doch anstatt die Partei als Erweiterung der Demokratie zu betrachten wurden die Gründer wie auch die Mitglieder diskriminiert: ihre Wahlveranstaltungen wurden von den SWAPO-Anhängern und der Polizei aufgelöst, ihre Läden wurden boykottiert und Mitglieder wurden körperlich angegriffen. Doch nach einer grossen Welle der Entrüstung im Volk, selbst von linientreuen SWAPO-Anhängern, veränderten die Politiker ihre Aussagen und riefen zu Akzeptanz untereinander auf. In der letzten Zeit wurde es relativ ruhig um die beiden Parteien. Wir sind aber, zusammen mit vielen anderen Volunteers sehr gespannt auf das kommende Wahljahr, denn Namibia befindet sich momentan in einer guten demokratischen Balance oder zumindest auf dem Weg dorthin. Es braucht aber unserer Meinung nach sehr wenig, damit das Blatt sich wendet und ein ähnliches Ungleichgewicht eintrifft wie in Zimbabwe. Wir können nur hoffen, dass Namibia den eingeschlagenen Weg weiter gehen wird.