Autowaschen, die Schweizerische Tugend – ein netter Versuch
Damit unser Auto farblich wieder als unser Auto zu erkennen ist, beschloss ich gestern Nachmittag das Auto zu waschen und vom vielen Staub zu befreien. Nathan wollte mir unbedingt helfen, was mir nur recht war. Nach anfänglichen Problemen bei der Arbeitsteilung – Nathan sollte das Auto abspritzen und ich wollte mit dem Schwamm das Auto gründlich putzen, stattdessen wurde vor allem ich nass, und wir kämpften um den Schwamm – fanden wir einen Weg und alles schien in Ordnung. Lange dauerte diese Harmonie nicht: Eine einheimische Sicherheitsangestellte der Schule hatte uns entdeckt und näherte sich uns. Ohne lange zu fackeln nahm sie Nathan den Schlauch aus der Hand, bis ich ihr klar machen konnte, dass Nathan das gerne selber machen möchte. Sie ging. Kurz darauf kam der zweite Sicherheitsangestellte und machte dasselbe. Nathan protestierte natürlich lauthals. Ich probierte dem Angestellten zu erklären, dass er Nathan ruhig machen lassen soll, aber alles protestieren und Händeringen nützte nichts, er bestand darauf, weiterzufahren. Am Schluss wusch er das Auto selber, Nathan und ich mussten zuschauen. Unsere Schweizerische Tugend wurde im Keim erstickt…
Nathan fand einen Ausweg und begann seinen gelben Plastikbus zu waschen, so gründlich dass er seinen Papa locker in den Schatten stellte. Ich war ziemlich ärgerlich, mochte mir dies aber nicht anmerken lassen. Hingegen fragte ich mich mehrmals, was das sollte. Wahrscheinlich hatten die beiden Mitleid mit mir, dass ich mit Nathan das Auto waschen “musste”, schliesslich sollten Männer und Knaben machen können, was sie wollen und zusammen das Auto waschen kann nur die Idee einer Frau sein. Vielleicht hatten sie Angst, dass Nathan zu viel Wasser brauchen könnte, da er (recht haben sie) mich angespritzt hat. Vielleicht wollten sie ihren mickrigen Lohn auffrischen, ich weiss es nicht oder möglicherweise einfach sehr zuvorkommend sein, zu freundlich für meinen Geschmack. Auf jeden Fall hat diesmal keine Völkerverständigung stattgefunden, ich fühlte mich irgendwie in einem traditionellen und unwirklichen Rollenverständnis auf verschiedensten Ebenen wieder.