Nathan, der Fischer
In den Oshanas tümmeln sich jetzt tausende von Fischen und locken so Gross und Klein ans Wasser um kurz darauf mit einem Bund gefangener oder gekaufter Fischen nach Hause zurück zu kehren. Auch Nathan fängt momentan überall Fische mit seiner selbstgemachter Angelrute, bis anhin waren es jedoch immer imaginäre Fische. Eines Nachmittags erschien Nathan mit einem Eimer und erklärte mir, er gehe fischen. Im Glauben, er versuche sein Glück in unserem Garten, motivierte ich ihn in seinem Unternehmen. Kurze Zeit später war es merkwürdig still und so machte ich mich auf die Suche nach unserem Fischer. Doch nirgends entdeckte ich eine Spur von ihm. Die Securitas auf dem Schulgelände erzählten mir lächelnd, Nathan sei angeln gegangen. Leider reichten ihre Englischkenntnisse nicht um mir mitzuteilen, in welche Richtung er los zog und ob er alleine war. So machte ich mich mit mulmigem Gefühl auf die Suche nach ihm. Als erstes fragte ich bei unserer Nachbarin nach, doch auch sie hatte Nathan nicht gesehen, schloss sich mir aber sogleich an und gemeinsam machten wir uns auf den Weg. Schon bald fand sie nun heraus, dass Nathan in Begleitung eines Securitas gesehen wurde und so lenkten wir unsere Schritte gemächlicher Richtung Oshana. Und wer kommt uns da entgegen?
Ein strahlender Nathan, der stolz die Angelrute in der einen und den Eimer in der anderen Hand schwenkt. Glücklich zeigt er uns seinen Fang und kann unsere Aufregung überhaupt nicht nachvollziehen. Ich und unsere Nachbarin redeten vorwurfsvoll in mehreren Sprachen auf Benni, den Securitas und Nathan ein. Schliesslich stellte sich heraus, dass Nathan so überzeugend die Angelrute und Benni an die Hand genommen hatte um fischen zu gehen, dass der Securitas davon ausgegangen ist, ich wisse über diesen Ausflug Bescheid. Soweit alles gut und wir machten uns alle gemeinsam lachend auf den Heimweg.
Zu Hause stellte sich aber ein weiteres Problem ein. Bis jetzt überliessen wir den Verzehr der Sumpffische (auch Katzenfische genannt, da sie Schnurrhaare wie eine Katze haben) den Einheimischen, da uns gesagt wurde, dass die Fische eben nach Sumpf schmecken und für unseren Geschmack sehr gewöhnungsbedürftig seien. Nathan überreichte mir die 6 gefangenen Fische jedoch mit einem so stolzen Gesicht, dass ich es nicht über mich brachte die Fische den Securitas zu überlassen. Also liess ich mir zeigen wie die Fische auszunehmen und für den Verzehr vorzubereiten sind. Mit Mühe und Not überwand ich meine Abneigung und so assen wir zur grossen Freude unseres Sohnes Fische zum Abendessen.
Zaghaft steckten wir uns eine erstes kleines Stück Fisch in den Mund um kurz darauf erstaunt ein grösseres zweites Stück zu testen. Allen Vorurteilen zum Trotz – es schmeckte nicht schlecht.
Dennoch bin ich froh, wenn Nathan in Zukunft das Fischen wieder den Einheimischen überlässt.