Regen und Ratten
Um drei in der Nacht hielt unser Bus auf einem leer stehenden Platz, von Ferne entönte Bar Musik – ansonsten war es still. Da ausser dem Busfahrer niemand ausstieg, dösten auch wir wieder ein. Doch nach einiger Zeit wurde uns dann doch bestätigt, dass wir am Zielort Lilongwe angekommen waren. Die meisten Mitreisenden schliefen jedoch weiterhin um sich erst bei Sonnenaufgang auf den Weiterweg zu wagen. Da uns die Sitze schlicht zu unbequem waren, machten wir uns auf den Weg in die nächst gelegene billige Unterkunft. Auch die übelriechenden Toiletten und die dünnen durchgelegenen Matratzen hielten uns nicht davon ab, auf das Bett zu plumpsen und erst am nächsten Morgen einigermassen erholt wieder zu erwachen. Nun schauten wir uns nach einer etwas ruhiger gelegenen Unterkunft um. Dies war gar nicht so einfach und dies in einer Hauptstadt. Schlussendlich bezogen wir ein kleines HOlzhäuschen, aber so ganz das Gelbe vom Ei war es nicht. Während unserem Aufenthalt hier erhielten wir immer mehr den Eindruck, dass auch diese beiden jungen Bezitzer nach dem Reisen mit ihren letzten Ersparnissen diese Unterkunft ergattert hatten um ihrem Traum von Unabhängigkeit und der Fazination fremder Länder möglichst nah sein zu können. Doch diese Wunschvorstellung scheint schnell der harten Realität gewichen zu sein; das Geld für den Unterhalt fehlt, die Einkünfte sind nicht so hoch wie sie sein sollten und alles in allem ist das Leiten der Unterkunft wie jeder andere normale Arbeitsalltag.
Na ja, wir konnten uns dennoch etwas von den Reisestrapazen erholen. Da uns in Namibia das bunte Marktreiben oft fehlt, besuchten wir hier in Lilongwe den Markt, der sich am Flussufer entlang verteilt. Bereits unterwegs setzte der erste Regen ein und wir wurden so richtig durchnässt. Ah, wunderschön, aber doch etwas kalt. Unsere Laune verdarb es jedoch nicht und wir stürzten uns in das bunte Treiben. Von allen Seiten wurde uns frisches Gemüse angeboten, doch leider war der Boden durch den Regen so schlammig geworden, dass wir uns total aufs laufen konzentrieren mussten. Mehr rutschend als schlendernd verliessen wir den Gemüseteil über eine schmale Holzbrücke über den Fluss und tauchten ein in all die Kleiderstände. In all den vielen Secondhand-Kleiderhaufen ergatterten wir doch tatsächlich ein paar Hosen und konnten diese vor Ort auch gleich anpassen lassen. Zufrieden und mit einigen neu gelernten Worten staksten wir weiter durch den Markt und genossen die Farben und das bunte Durcheinander.
In der folgenden Nacht wurde meine Ruhe früh morgens durch einen Aufschrei von Andreas gestört – er wurde von einer Ratte in den Finger gebissen. Da Ratten überträger von Tollwut sein können, wollten wir einen ärztlichen Rat einholen uns so machte Andreas sich auf den Weg ins Spital. Kurz darauf kehrte er bereits wieder zurück. Der Arzt meinte, dass Ratten normalerweise keine Tollwut übertragen. Nun galt es darauf zu vertrauen, dass dies nicht ausgerechnet bei dieser Ratte anders war. Erleichtert machten wir uns auf die Suche nach dem richtigen Bus nach Salima, der möglichst rasch abfahren würde. Leider waren wir beinahe die ersten Fahrgäste und warteten noch einige Stunden bis der Bus voll und somit abfahrbereit war. In dieser Zeit unterhielten wir uns mit all den vielen Händlern, wenn sie nicht gerade auf Grund eines Polizeiaufmarschs in alle Richtungen flohen. Unterwegs bestaunten wir die hügelige Landschaft, die vielseitigen Grüns, die Gemüse- und Tabakplantagen, sowie auch die häufigen Häuseransammlungen und ihre Bewohner. Für uns ungewohnt viele Leute kreuzten mit ihren voll beladenen Velos unseren Weg. Die Fahrzeit war beinahe kürzer als die vorausgegangene Wartezeit. So trafen wir in dem geschäftigen Busbahnhof ein und wurden sogleich in ein klappriges, voll beladenes Auto verfrachtet. Bei jeder Tankstelle musste der Fahrer etwas Benzin in einen kleinen Kanister füllen, den er danach bei seinen Beinen hinstellte und mit einem Schlauch zusammenschraubte. Das Auto musste angestossen werden, alles klapperte und schlepperte, doch wir trafen tatsächlich unbeschadet in Senga Bay ein.
Endlich am Hauptziel unserer Reise – der Lake Malawi.