Kindergarten Reisli
Bereits vor längerer Zeit tauchte an einer Kindergartensitzung der Vorschlag zu einem Kindergartenreisli auf. Verschiedene Ideen wurden von uns entworfen und im nachfolgenden Elterntreffen besprochen. An diesem Treffen wurde anschliessend gerade der Zielort festgelegt, wie auch eine Packliste für die Kinder und der Preis für die Tour. Ich war erstaunt über das Tempo des Vorbereitens und wie viel Eifer vor allem eine der Kindergärtnerinnen in diesen Ausflug steckte.
Nun, diese Woche war es soweit. Am Montag Nachmittag fuhren Albertina, eine der Kindergärtnerinnen und ich nach Oshakati um all die Essensvorräte einzukaufen. Ich hatte mich auf einen langen, eher schwierigen Einkauf eingestellt und war umso mehr erfreut, als ich bemerkte, dass Albertina einen Einkaufszettel geschrieben hatte und genau wusste, wieviel Geld zur Verfügung steht. So hatten wir bereits nach kurzer Zeit unser Auto voll. Wie die Kinder all dieses Essen verschlingen sollten, war mir jedoch schleierhaft. Um 9.00 Uhr am Dienstag traf ich beim Kindergarten ein, innerlich hatte ich mich auf viel Wartezeit eingestellt und eine gehörige Portion Geduld mitgenommen. Nach meinem Eintreffen kontrollierten wir ob alle Kinder da sind, die auch bezahlt haben, und holten das Geld, das beim Schatzmeister der Schule lag. Und nun ging das Warten los. Der Schulleiter, der uns begleiten und ein Transportauto zur Verfügung stellen sollte, war noch nicht da. Doch eine halbe Stunde später traf er ein und die Kinder drückten sich ins Auto.
Bereits nach zwanzig Minuten Autofahrt wurde die erste Pause eingelegt, einige der Kinder mussten pinkeln. Das hiess, alle raus aus dem Auto, die einen hinter die Büsche, die Anderen nutzen diese Gelegenheit um ihr mit gebrachtes Z Nüni zu essen. Wieder im Auto ging es zügig für einige Kilometer weiter, bis eine der Kindergärtnerinnen noch einige persönliche Einkäufe tätigen mussten und wir anderen warteten in der steigenden Hitze. Als auch dies erledigt war, mussten wir nur noch die Frau des Schulleiters in der Apotheke abliefern und nun konnte es auf direktem Weg weiter in den Wasserpark in Ongwediva gehen. Was eigentlich das Ziel unseres Ausflugs war.
Kaum waren wir im Wasserpark angekommen, stürzten sich die Kinder auf die Spielgeräte. Für die meisten Kinder war es das erste Mal, dass sie selbstständig auf einem Spielplatz spielen durften und die Geräte waren neu für sie. So belagerten alle Kinder gemeinsam die kleine Rutschbahn, dann die Schaukel, weiter zum Trampolin und weiter auf die grössere Rutschbahn. Es dauerte eine Weile bis sich die Kinder aufteilten und die Geräte so richtig geniessen konnten. Nach einer halben Stunde tastete ich mich mit der ersten Gruppe ans Wasser heran. Den meisten Kindern hier in der Ovambo Region wird verboten sich in der Nähe des Wassers aufzuhalten um zu spielen oder zu baden, die einzige Ausnahme bildet das Fischen. Das Wasser ist gefährlich und man kann darin ertrinken, dies ist wohl die meist gehörte Aussage zum Thema Wasser für die Kinder. Darum ist es auch nicht weiter erstaunlich, dass die Kinder im Wasserpark enormen Respekt dem Kinderbad entgegen brachten und erst nach einigen Ermutigungen mit mir durch das Wasser wateten. Doch nach und nach wurde das Lachen und Gekreische der Kinder lauter und die Freude am Wasser war überall fühl- und sichtbar. Der Schulleiter war darüber nicht sehr erfreut, verbot seinen Kinder auch nur in die Nähe des Wassers zu kommen und ermahnte auch die bereits badenden Kindern, sie werden morgen krank sein oder sogar sterben. Tja, wir liessen uns die gute Laune nicht nehmen und genossen das kühle Nass. Es brauchte einige Anstrengung von uns Lehrerinnen die Kinder wieder auf das Trockene zu bringen. Während dem wir an alle Kinder ein Eiscream verteilten, tauchte der Schulleiter wieder auf um uns mitzuteilen, dass er um drei zu Hause sein müsse, wir uns also beeilen sollten. Etwas irritiert schauten wir einander an, versuchten jedoch die Kinder zu möglichst hohem Tempo beim Eis essen und Kleider anziehen anzuhalten. Kurze Zeit später als alle Kinder wieder im Auto platz gefunden hatten, fuhren wir zum ausgewählten Mittagsplatz. Doch der Schulleiter war mit unserer Idee nicht zufrieden und stimmte uns um, an einen Rastplatz, gleich neben der Hauptstrasse zu gehen. Sehr gemütlich. So wurde es dann auch. Der Schulleiter mahnte immer wieder zur Eile uns so drückten wir den Kindern jede Menge Essen in die Hände und bereits nach fünf Minuten scheuchte der Leiter die Kinder bereits wieder in die Autos. Zehn Minuten nach drei trafen wir beim Kindergarten ein, der Schulleiter relativ glücklich, die Kindergärtnerinnen und ich eher weniger, dafür machten sich die Kinder überglücklich und voller neuer Eindrücke auf den Weg nach Hause.
Meine Erkenntnis von dieser Reise: Es ist wichtig, dass die Kinder noch jede Menge Nahrungsmittel nach Hause mit nehmen können. Dies zeigt den Eltern, dass gut zu ihren Kindern geschaut wurde und die Reise ein Erfolg war.
Unser Fazit fürs nächste Jahr: Wir lassen den Schulleiter zu Hause.
