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Ein Nachmittag im Homestead

Wir verlassen kurz nach dem Mittag unser Haus und machen uns mit dem Auto auf den Weg zu unseren Freunden, welche uns in ihr Homestead eingeladen haben. Ein Owambo Homestead ist die afrikanische Variante eines Bauernhofs. Nach einer abenteuerlichen Fahrt durch eingetrocknete Oshanas und Sandwege, immer wieder Palmen umkurvend erreichen wir schliesslich das Zuhause von Simeon und seiner Familie. Der ganz Hof ist umzäunt von einer hohen Palisade aus Holz und Mahangustroh. Wir betreten einen ersten Vorplatz, in dem sich ein Taubenschlag befindet. Entgegen unseren Erwartungen sind dies auch die einzigen Tiere, die etwas innerhalb des Gehöfts geduldet sind. Die Kühe, Esel, Ziegen und Hühner sind alle ausserhalb auf dem Feld oder im Kraal, dem Stall, untergebracht.

Nach dem Vorplatz betreten wir ein durchdachtes Labyrinth von weiteren Wänden, Häusern und Unterständen, das nach einiger Erklärung auch uns verständlich ist. Simeon führt uns herum. Wir lernen, dass die Jungen in einem eigenen Teil des Homesteads schlafen, nahe des Eingangs, damit sie ungebetene Gäste in der Nacht als erstes hören und reagieren können. Der Hausherr hat ebenfalls seine eigene Hütte, heutzutage ist es aber meistens ein kleines Haus aus Ziegelsteinen mit Wellblechdach. Die Mädchen und Frauen schlafen wiederum in einem eigenen Teil des Homesteads. Ein Abteil ist ausschliesslich für die Frauen des Hauses. Sie können sich dorthin zurückziehen, wenn sie Besuch haben und ungestört sein wollen oder einfach ihre Ruhe brauchen. Die Wände der traditionellen Hütten sind aus Holzpfählen und Stroh gefertigt, Lehm aus Termitenhügeln macht die Ritzen dicht. Das Dach besteht aus Gras oder Schilf, welches sehr kunstvoll am oberen Ende abgeschlossen wird.

Nach dem Rundgang werden wir zu einem Abteil geführt, welches für den Besuch gebaut ist. Nachdem wir uns gemütlich eingerichtet haben werden wir von den anderen Bewohnern des Hauses freundlich begrüsst, von den Kindern neugierig betrachtet. Es geht nicht lange, fühlt sich Nathan mehr als zu Hause und jagt mit den anderen Kindern Hühner, die sich trotz allem in die Gänge des Homesteads verirrt haben.

Der Gast wird traditionellerweise mit Mahangu, gekochtem Huhn und Marulaöl bewirtet. Nicht fehlen darf dabei das Hirsebier, so genanntes Omalovu. Am Vorabend wird Sorghum gestampft und mit Wasser angerichtet. Bis am nächsten Tag hat sich ein erfrischendes Getränk entwickelt, das wenig Alkohol enthält. Wir staunen, als wir einen 20 Liter Krug vorgesetzt bekommen. Es ist ein wunderbarer Tonkrug, der mit feuchtem Sand gekühlt wird. Die Zubereitung des Essens weilt sich noch etwas und so wenden wir uns dem Omalovu zu. Mirjam darf etwas später in der Küche beim Mahangu kochen mithelfen und bekommt einen besonderen Einblick in das Homestead. Alles wirkt sehr aufgeräumt, gepflegt und sauber. Es ist uns wohl hier.

Das Hirsebier und die leichte beruhigende Brise zeigen ihre Wirkung und machen mich schläfrig. Ich bin allein im Gästetrakt zurückgeblieben, später gesellt sich die Mutter von Simoen zu mir. Aus Alters- und Respektgründen bin ich verpflichtet, ihr Omalovu zu schöpfen, obwohl sie kein Englisch spricht, macht sie dies unmissverständlich deutlich. Im Laufe des Nachmittag lerne ich, dass man kein Hirsebier von der Kalebasse fürs Schöpfen zurück in den Krug leert. Weiter ist es ungeschickt, den Holzbecher nicht zu überfüllen. Mittlerweile bin ich beim Lernen der wichtigen aber leicht zu übersehenden Details angelangt. Es ist ruhig und friedlich. Ich kann hinter mir die Ameisen hören, die am Mahangustroh knabbern.

Endlich ist das Essen zubereitet. Etwas ungewöhnlich für die Tradition der Owambos gesellen sich nun alle zu uns. Traditionellerweise werden die Gäste sich selbst überlassen und die Gastgeber essen für sich. Ebenfalls nicht ganz alltäglich ist, dass alle beim Essen reden, bisher wurden wir eher schräg betrachtet wenn wir am Tisch miteinander sprachen. Mit dem Essen nähert sich ein Besuch seinem Ende, mittlerweile ist es auch schon später Nachmittag. Wir nehmen viele neue Eindrücke mit uns, ein Kanister Omalovu ist das Abschiedsgeschenk. Bei der Rückfahrt erscheint uns alles etwas vetrauter.

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