A Busy Day
Auf die Frage hin, wie den der Tag sei, antworten viele Namibier mit “Very busy” oder aber mit “Somehow”. Dass “Somehow” als Antwort grammatikalisch nicht richtig ist, mussten wir uns von einer Kanadierin anhören, doch für uns Deutschsprachigen klingt die Antwort “Irgendwie” zwar sehr ungewiss, ist aber nicht weiters falsch. Die Antwort “very busy” regte uns des öfteren zu einem verhaltenen Schmunzeln an, denn sehr beschäftigt kann zuweilen auch einfach heissen, dass sie nun unterwegs sind zum essen oder du ihren Tag mit deinem Gruss unterbrochen hast und sie zum sprechen animiert hast. Beschäftig kann also sehr verschieden ausgelegt werden und die afrikanische Definition dieses Wortes weicht klar von der europäischen ab. Doch momentan erhalten die Meisten von uns auch zur Antwort: “It is a very busy day”. Zum Aufzeigen, dass wir uns zwar der afrikanischen Definition nähern, aber immer noch stark in der europäischen Tradition verankert sind, möchte ich mein Samstagprogramm etwas näher beschreiben.
| 07.00 | Nathan erwacht und verlangt seinen “Schoggischöppu” |
| 08.00 | Nach einigen Motivationsversuchen schaffe ich es endlich aus dem Bett. An der Party gestern Abend wurde es spät. |
| 09.00 | Frühstücken als Familie |
| 09.30 | Mit drei anderen Volunteers fahre ich nach Oshakati um unsere müden Glieder etwas zu bewegen. |
| 10.00-12.00 | Während diesen zwei Stunden bewegen und tanzen wir zu afrikanischer Musik unter der Anleitung von Sissi (siehe Blog: Musik in Afrika II |
| 12.30 | Ankunft in Elim. Zurück zu Hause springen mir nebst Nathan zwei weitere Kinder entgegen, es hat Besuch für Nathan gegeben. |
| 12.45 | Mittagessen für alle |
| 13.05 | Aufbruchstimmung, da wir noch die Kinder zu Hause abliefern müssen und eigentlich bereits um eins zum Besuch angemeldet sind. |
| 13.30 | Ankunft beim Homestead, nach einer Fahrt durch Felder und Oshanas. Als Wegweiser dienten uns Palmen und Wassertanks, die einzigen Erhebungen in dieser Region. |
| 13.30-16.30 | Besuch im Homestead (Bericht folgt) |
| 17.00 | Ankunft wieder zu Hause in Elim. Aus meiner ersehnten Ruhe wird nichts, da bereits Nachbarn vor der Türe stehen und einige Wünsche für uns auf Lager haben. |
| 18.00 | Drei Volunteers und fünf Namibierinnen treffen bei uns ein um mit mir ans Theaterstück “Vagina Monologue” nach Ongwediva zu fahren. |
| 19.00-22.00 | Begeistertes Anhören der “Vagina Monologues” |
| 22.30 | Erneute Ankunft in Elim. Auf dem Pausenhof wimmelt es von Schülern und aus der Halle ertönt kräftiges Singen. Die Schule hat einen Singwettbewerb organisiert, der die ganze Nacht dauern soll. Doch zu müde und erschöpft schaffe ich es nicht mehr noch einen Blick in die Halle zu werfen und die schulinternen Schüler zu unterstützen. |
| 23.00 | Beim nächtlichen Schmaus tauschen Andreas und ich über die individuellen Erfahrungen und Erlebnisse des Tages aus und fallen kurz darauf in einen hoffentlich erholsamen Schlaf. |
Ob dieses Programm nun der afrikanischen oder doch der europäischen Definition von “very busy” angehört, sei jedem selbst überlassen zu bestimmen. Ich auf jeden Fall bin froh über den verhältnismässig ruhigen Sonntag.