Hochzeit in Namibias Norden
Drei mal die Woche erscheint Simeon mit seinem Eselswagen auf dem Schulgelände um den Müll abzuholen. Nathan erwartet ihn immer sehnsüchtig, darf er doch auf dem Eselswagen mitfahren. Ich und Simeon marschieren jeweils vertieft in eine Unterhaltung hinten nach bis es für mich und Nathan an der Zeit ist uns zu verabschieden.
Bei einer dieser Unterhaltungen lud Simeon uns an die Hochzeit seiner Schwester ein. Wir haben seine Schwester und ihren zukünftigen Ehemann noch nie getroffen, doch eine Hochzeit lassen wir uns nicht entgehen.
So erscheinen wir an dem betreffenden Samstagmorgen kurz nach Neun bei der Dorfkirche. Simeon erwartet uns bereits und stellt uns seine Cousine vor. Sie werde mit uns in die Kirche kommen und anschliessend uns den Weg zum Festort zeigen. Er selber müsse wieder nach Hause um noch vorzubereiten. So setzen wir uns in der Kirche neben die Cousine, umgeben von wunderschön anzusehenden Frauen. An ihren Kleidern können die geübten Augen die Beziehung zur Braut oder zum Bräutigam feststellen. So tragen zum Beispiel alle Cousinen der Braut dieselben Kleider und ähnliche Frisuren.
Beim betrachten der Gäste fällt mir auf, das nur vereinzelt Männer anwesend sin. Die Zeremonie in der Kirche ist wohl Frauensache, die männlichen Gäste werden wohl erst zum Festmahl erscheinen.
Das Brautpaar schreitet bedächtig den Mittelgang ab und bleibt mit dem Rücken zum Publikum vor dem Pfarrer stehen. Der Körpersprache entnehmen wir, dass die beiden einander das Ja-Wort geben und die Ringe tauschen. Die Gäste applaudieren, klatschen und jubeln den Beiden zu.
Daraufhin folgt die Predigt und anschliessend eine Anzahl Gratulationen von den verschiedensten Leuten. Gegen ein Uhr ist die kirchliche Zeremonie zu Ende und die Gäste strömen dem Ausgang zu. Nun wird getanzt, gesungen und gejodelt, viele schwenken dazu einen Wedel aus Pferdeschwanzhaaren. Der Umzug löst sich nach circa 500m auf und verteilt sich auf die wartenden Autos. Eine lange Autoschlange zieht nun zum Festort, das Elternhaus der Braut.
Das Homestead erscheint uns wie ein Bienenhaus, geschäftige Leute eilen durch die Gänge, Räume und Zelte. Auch wir stürzen uns in das Labyrinth und fühlen uns etwas verloren. Doch eine Gastgeberin nimmt sich uns an, besorgt uns Stühle und Oshikundu, ein selbstgebrautes Getränk aus Mahangu. Wir geniessen die Erfrischung, insbesondere den Schatten. Kurz Zeit später spürt uns Simeon auf und nimmt uns mit nach draussen. Die männlichen Verwandten der Braut empfangen nun das Brautpaar am Festort. Die Männer tragen traditionelle Ovambo Röcke, Straussenfedern zieren ihre Hüte und mit einer Trillerpfeife im Mund tanzen und hüpfen diese dem Brautpaar entgegen. Für uns eine eher spezielle Zeremonie, vielleicht gerade deswegen übt diese Szene eine grosse Faszination auf uns aus. Das Brautpaar wird jubelnd und tanzend zum Homestead und einer Sitzgelegenheit begleitet. Nun stehen alle Gäste mit Geschenken in einer Reihe und legen diese vor dem Brautpaar auf den Boden. Diese Zeremonie hat etwas Königliches an sich und beinahe hätte ich beim überreichen einen Knicks gemacht.
Endlich werden jetzt die Gäste auf die verschiedenen Orten aufgeteilt, je nach Beziehung zum Brautpaar. Überall wartet ein vielseitiges Buffet auf die anwesenden Besucher. Inzwischen erschienen auch die Männer, die Gäste sind kaum noch zu zählen so viele sind es. Nach dem Festmahl verabschieden sich die Ersten. Simeon erwähnt, dass die das Fest nun weiter zieht zum Elternhaus des Bräutigams um dort weiter zu feiern.
Doch wir waren müde und bereits voller Eindrücke, so dass wir uns verabschiedeten.
Für uns war es ein wunderschönes Fest. Die Freude unter den Gastgebern wie auch den Gästen war spürbar und jeder der wollte durfte daran teilnehmen. Wir fühlten uns als Teil des Ganzen und genossen es dementsprechend.