Demokratie im Lehrerzimmer

14.4.2007 // 22:55
Abgelegt unter: // andreas

Tate Hansi, der Principal (Schulleiter) der Ashipala Secondary School ist meistens unzimperlich, wenn es darum geht, auf dem Weg zu einer besseren Schule über alle Köpfe des Lehrerkollegiums hinweg unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Umso mehr war ich erstaunt, als er bei einer harmlosen Frage, die er ohne weiteres selber hätte entscheiden können eine Anwandlung von Demokratie zeigte. Es ging darum, zu bestimmen, wann der neue Stundenplan mit früheren Anfangszeiten eingeführt werden soll, ob gerade am nächsten Tag oder nach dem nächsten Wochenende. Da sich niemand dazu äusserte, machte er eine Umfrage. Wer ist dafür, dass wir morgen damit beginnen? - Viele Hände werden in die Höhe gestreckt. Wer ist dafür, bis nach dem nächsten Wochenende zu warten? - Einige Hände wandern zögernd nach oben. Im zweiten Fall beginnt Tate Hansi zu zählen, eins zwei, drei, spätestens bei sechs hat er sich einmal um die eigene Achse gedreht, er zählt munter weiter bis elf, bis er sicher ist, mehr als die Hälfte der Anwesenden gezählt zu haben. Das Ergebnis ist klar, wir warten bis nach dem nächsten Wochenende. Da es sich um die Lösung handelt, die auch ich bevorzugt hätte, schweige ich und schmunzle über die interessante Auffassung von Demokratie.

Klimawandel

10.4.2007 // 20:35
Abgelegt unter: // andreas

Gletscher in Namibia? Der Klimawandel macht’s möglich. Wo es früher gemässigt war, wird es heiss, wo es eisig kalt war herrscht plötzlich Tauwetter, und Hitzezonen erleben Temperaturstürze, dass aus Flüssen innert Kürze Gletscher werden.

Samsitu Camping Platz

7.4.2007 // 10:05
Abgelegt unter: // mirjam

Es waren einmal weisse Namibier auf der Suche nach einem einzigartigen Paradies um heimisch zu werden, ein Haus zu bauen und eine Familie zu gründen. In der Nähe von Rundu, im Nordosten von Namibia wurden sie fündig. Am Ufer des Kavango, ein Grenzfluss der ganzjährig Wasser führt, verliebten sie sich in einen Landstreifen und begannen Häuser zu bauen und sesshaft zu werden. Heimlich wurde etwas über die Einheimischen geschmunzelt, da sie bis jetzt diesen wunderschönen Paradiesstreifen noch nicht entdeckt hatten und in einiger Entfernung zum Fluss ihre Hütten errichtet hatten. Die Häuser wurden fertig erstellt und die nächste Regenzeit begann. Nach kurzer Zeit lebten die weissen Namibier auf einer Insel. Der Kavango führte soviel Wasser mit dem großen Teile des Ufers überschwemmt wurden und zu Hause als Insel inmitten der Seerosen und des Schilfs zurück liess. Das Lachen und Wundern über die Einheimischen verging ihnen, doch ihren Traum des gefundenen Paradieses wollten sie nicht aufgeben und so wurden Schiffe anstatt Autos zu den Transportmittel und die Häuser und die Gärten wurden mit Schutzwällen gegen das Wasser aufgerüstet. So gondeln sie nun seit zwanzig Jahren während der Regenzeit mit Schiffen ans Ufer und geniessen die Seerosen und die seltenen Wasservögel.

In diesen Genuss kamen auch wir, denn auf einem kleinen privat Gelände wurde ein Campingplatz errichtet und genau dort feierte ein befreundeter INTERTEAM Mitarbeiter seinen 50igsten Geburtstag. All unser Gepäck verluden wir auf den selbst hergestellten Motorkatamaran und der Besitzer steuerte ruhig durch all die Seerosenteppiche und das Schilf, vorbei an bekannten und seltenen Wasservögeln. Zwischendurch musste der Motor von Schlingpflanzen befreit werden, ansonsten verlief die Fahrt ohne grosse Zwischenfälle, kein Krokodil und auch kein Nilpferd tauchte auf und machte Jagd auf uns. Wir feierten mit anderen Interteamler eine gemütliche Geburtstagsparty. Auf dem Feuer brutzelten Zebra und Antilopen und unsere Gespräche wurden beinahe vom Grillengezirpe, Fröschengequake und Krokodilgeplätscher übertönt.
Am nächsten Abend nutzten wir die Gunst der Stunde und buchten eine Sonnenuntergang-Bootsfahrt. Die Stimmung war paradiesisch schön, schwer in Worten zu beschreiben.



Rasieren - *@!!#!

3.4.2007 // 13:52
Abgelegt unter: // andreas

Im Gegensatz zur Schweiz gibt es in Namibia für Lehrkräfte ziemlich klare Vorgaben, wie Mann und Frau sich zu kleiden hat und wie nicht. Auf Anraten anderer Freiwilliger probieren wir diesen Anweisungen Folge zu leisten, damit wir uns nicht völlig daneben beneben und auch vorkommen. Nicht alle Regeln machen in unseren freiheitsliebenden Schweizer Augen gleich viel Sinn, aber es ist ja auch nicht an uns, diese Vorgaben zu hinterfragen. Der dress-code der hiesigen Lehrkräfte stellt manche Schweizer Bank in den Schatten. Frauen sollten elegante, nicht eng anliegende Kleidung und dezenten Schmuck tragen. Falls sie Zöpfchen tragen, sind auch diese zu bändigen, die Haarpracht wie Bob Marley zu tragen ist nicht gern gesehen. Anzüge sind bei Männern die Regel, Jeans verpönt. Hemden gehören in die Hose, eine Krawatte dazu macht sich sehr gut. Nun ja, bei der Krawatte hört der Spass für mich auf, wenn nicht der Besuch eines hohen Ministers ansteht, bleiben die Krawatten im Schrank hängen. Gewisse Freiheiten erlaube ich mir einfach, solange ich es nicht übertreibe, mit T-Shirt und Shorts zum Beispiel, sind die Einheimischen ziemlich nachsichtig und sie verstehen auch, dass ich nicht mit einem halben PkZ im Handgepäck anreisen kann. Auch über die Vorgabe, keine Turnschuhe zu tragen setze ich mich hinweg, es geht nichts über meine Pumas. Hingegen komme ich gut aus ohne machoiden Schmuck und es macht mir nichts aus, das Hemd nicht bis zu den Brusthaaren aufzuknöpfen. Einzig und allein das Rasieren gibt mir Kopfschmerzen im wahrsten Sinne des Wortes. Die Regeln würden vorschreiben, eine saubere Rasur zu tragen. Ab und zu muss es sein (eigentlich täglich), aber diesmal hat sich wegen des Rasierens ein unfreundliches Bakterium mit meiner Haarwurzel angelegt und einen sehr schmerzhaften Abszess tief unter der Haut neben dem Kinn verursacht. Die tägliche Rasur wurde vom täglichen Antibiotika abgelöst. Bis das zweite Kinn wieder verschwunden ist, geniesse ich es auf ärztliche Verordnung hin mit Mehrtagebart arbeiten zu dürfen.

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