Neshani Andreas
Anlässlich eines Interteam Treffens lernten wir die Namibische Autorin Neshani Andreas kennen. Während diesen Tagen stellte sie uns nicht nur ihren Roman vor, sonder bot uns auch die Möglichkeit um mit ihr über kulturelle Unterschiede auszutauschen.
Neshani Andreas wuchs in Walvis Bay zusammen mit ihrer Familie und anderen Verwandten auf. Ihre Eltern stammen jedoch ursprünglich vom Norden Namibias, aus der Nähe von Oshakati. So besuchte Neshani mit ihrer Familie jeweils zu speziellen Anlässen den Norden und ihre grosse Verwandtschaft. Neshani besuchte nach der obligatorischen Schulzeit das Lehrerseminar in Oshakati und unterrichtete anschliessend einige Jahre an einer Schule. Während dieser Zeit lernte sie einen Freiwilligen der Peace Corps kennen, dieser entdeckte die Begabung von Neshani zum schreiben. Durch seine Komplimente und seine Unterstützung begann sie vermehrt zu schreiben und schenkte ihrem Hobby mehr Aufmerksamkeit. Jahre später arbeitete Neshani für die Organisation Peace Corps. Sie führte die neuen Freiwilligen in das Land und die Kultur ein und betreute diese auch während ihrem Einsatz. Während dieser Zeit schrieb Neshani Andreas nach einigen Kurzgeschichten ihren ersten Roman und fand bald darauf einen Verleger. So erschien ihr Roman als erstes Namibisches Buch unter der Serie “The African Writers” mit dem Titel: “The purple Violet of Oshaantu” Es handelt von zwei Freundinnen aus einem Dorf im Norden Namibias. Nebst der Freundschaft dieser beiden ungleichen Frauen, wirft der Roman einen liebevollen aber kritischen Blick auf das Alltagsleben der Ovambos und zeigt so manche Sonnen- wie auch Schattenseite auf. Ich lernte einige Gewohnheiten unserer derzeitigen Nachbarn durch dieses Buch besser kennen und verstehen. So zum Beispiel, dass das direkte übermitteln einer Botschaft eher als respektlos gilt. Wenn ein Bekannter die Botschaft übermitteln kann, zeugt dies von Respekt und beweist, dass man gute Freunde hat.
Neshani Andreas konnte sich mit diesem Roman einen Kindheitstraum erfüllen. Auch einen weiteren grossen Wunsch ging für sie in Erfüllung: Sie besitzt heute drei Toiletten in ihrem Haus. Lächelnd erzählte sie uns wie schlimm es für sie als Kind war nach draussen auf die Latrine zu müssen, speziell während der Nacht. Und so sei bereits früh in ihr der Wunsch nach einer Toilette im Haus aufgetaucht. Später als sie sah, dass einige Leute sogar eine Toilette im Schlafzimmer angeschlossen hatten, wurde ihr Wunsch noch sehnlicher. Und heute, wie gesagt, hat sie eine Toilette direkt angrenzend an ihr Schlafzimmer und zwei weitere in ihrem Haus.
Die Begegnung mit Neshani Andreas hat mich sehr berührt. Durch ihren Roman und durch ihre Erklärungen und Antworten auf unsere Fragen konnte sie viele der kulturellen Unterschiede etwas überbrücken oder zumindest einen Ansatz von Verständnis gegenüber der für mich fremden Kultur wecken.
“The purple Violet of Oshaantu” kann ich wärmstens als Lektüre für die kalten Wintertage empfehlen. Es ist in einem gut verständlichen Englisch geschrieben.
“The purple Violet of Oshaantu” von Neshani Andreas, Heinemann Verlag, ISBN 0-435-91208-9