Weihnachten an den Oshanas
Trotz vielen emotionalen Nachteilen ist Weihnachten und die (Vor-)Weihnachtszeit in einem anderen Kulturkreis auch ein sehr interessantes Erlebnis und kann einem einige neue Einblicke in eine fremde Kultur ermöglichen. Uns ist es auf jeden Fall so ergangen. Schon bald im November fielen uns die grünen und künstlich verschneiten Plastiktannenbäume im Supermarkt auf, begleitet von Lichterketten, die kombiniert mit billigem China Gedudel von ausgeleierten Weihnachtsliedern die Verkäuferinnen nahe an den Wahnsinn trieben. Wie man sich denken kann, kamen wir trotzdem überhaupt nicht in Weihnachtsstimmung, zu wenig Schnee, zu lange Tage, zu hohe Temperaturen.
Als wir am 23. Dezember nach Oshakati gingen um unsere letzten Einkäufe für die Festtage zu tätigen, erlebten wir, was Weihachten im Norden Namibias bedeutet. Alle, aber wirklich alle Menschen, die ihre Familien in der Owamboregion haben, reisen für die Festtage dorthin, egal, ob sie den Rest des Jahres in Windhoek oder wo auch immer bei der Arbeit oder auf der Schulbank verbringen. Bisher hatten wir nie das Gefühl von überfüllten Strassen und vollen Geschäften, aber nun war es anders. Interessanterweise ging es aber an den meisten Kassen schneller voran als üblich, wahrscheinlich war man auf diesen Ansturm vorbereitet. In Zahlen ausgedrückt drängte sich ein guter Drittel der Bevölkerung Namibias um Oshakati und Umgebung.
Auch unterwegs sahen wir die Auswirkungen dieses Phänomens. Bei vielen Häusern und Homesteads wurde plötzlich eifrig gebaut, gepflastert und gemalt. Dies haben wir folgendermassen interpretiert: Einerseits kommt mit den Söhnen und Töchtern aus Windhoek in vielen Fällen einiges an Geld in den Norden mitbringen, auf der anderen Seite sind die Weihnachtsferien d i e Zeit um zu heiraten, also bringt man alles in Schuss.
Was die Töchter und Söhne sonst noch mitbringen sind neue Autos und schicke Kleidung. Bei den Fahrzeugen handelt es sich meistens um die bekannten deutschen Luxuswagen, die in dieser Region so fehl am Platz sind wie ein Geländewagen in der Grossstadt. Kontrastreicher geht es kaum mehr. So spannend diese Zeit auch war, als waschechte Landeier sind wir froh, geht das Leben hier wieder einen etwas gemächlicheren Gang und geniessen den wiedergewonnenen Raum. Zum Glück haben wir vergessen, wie eng es in der Schweiz sein kann…