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GPS Ziel: 18 06 36/15 43 21

Obwohl Namibia offiziell als Wüsten- und Halbwüstengegend gilt, gibt es doch Zeiten und Orte, die es einem erlauben, mit einem Boot unterwegs zu sein. Nach monatelanger Suche nach einem geeigneten Boot für kleine Familienausflüge sind wir vor kurzem fündig geworden, und dies obwohl den Preisen nach oben und der Qualität nach unten keine Grenzen gesetzt sind.

Der nächste Schritt in Richtung Abenteuer nahm zwar weniger Zeit in Anspruch, war aber eine grosse Herausforderung. Wir wissen, dass es Seen gibt in unserer Nähe, die das ganze Jahr mit Wasser gefüllt sind. Diese befinden sich aber ziemlich weit im Busch, abseits der guten Haupt- und Landstrassen. Leider hatten wir weder eine Detailkarte noch ein GPS[1], aber eine ungefähre Wegbeschreibung, unsere Abenteuerlust und einige Monate Geländeerfahrung im Norden Namibias. Am Anfang ging es noch recht gut, die Richtung des Weges stimmte mit dem Beschrieb überein. Mit der Zeit wurden die Wege undeutlicher und mehr an der Zahl und die Savanne mehr und mehr übersät mit kleinen und grossen Tümpeln. Etwas verunsichert fragten wir nach dem Weg zu den Seen. Den Handbewegungen nach zu urteilen stimmte die Richtung aber offensichtlich noch immer. Kurz darauf blieben wir zum ersten Mal im Morast stecken und mussten schaufeln, mit Brettern unterlegen und hoffen. Nach einigen Versuchen gelang es uns, das Auto wieder auf festen Grund zu fahren. Nun ging es so weiter, das Auto versank zwar nicht mehr, aber der Untergrund war vom nächtlichen starken Regenfall durchtränkt und die Räder kamen gefährlich nahe ans Durchdrehen. Mit der Zeit fuhren wir dann wo immer möglich über grasbewachsene Flächen abseits des Feldweges. Dies ist hier kein ungewöhnliches Verhalten, deshalb auch die unzähligen irreführenden Spuren. Als der See immer noch nicht zu sehen war und sich vor uns ein knöcheltiefer Riesentümpel auftat, der uns gezwungen hätte einen kilometerlangen Umweg über Sumpfgras und unberechenbare Sandbänke zu fahren, gaben wir auf.

Verloren im BuschBisher hatten wir nur nach vorne geschaut, wie sich herausstellte, sah die Landschaft – oh Wunder! – völlig verändert aus, als wir uns auf den Rückweg machten. Wir übten uns im Reifenspurenlesen, versuchten uns an auffälligen Zäunen, umherstreunenden Eseln und den sehr seltenen Makalanipalmen zu orientieren und dank unserer Intuition schafften wir es, uns nur zwei- oder dreimal zu verfahren. Als wir wieder asphaltierten Grund unter den Rädern hatten, wich die anfängliche Erleichterung einer gewissen Ratlosigkeit: wo sollten wir denn jetzt die Jungfernfahrt mit unserm Boot durchführen?…


[1] GPS: Globales Positionsbestimmungs System. Von Reiseführern für solche Unternehmungen dringend empfohlen, falls man das nötige Kleingeld hat. Ein kleines Gerät hilft einem satellitengesteuert jedes Ziel zu finden, ohne Karte, ohne Kompass, ohne Hirn. Bis der Strom im Weltall ausfällt.

One Response to “GPS Ziel: 18 06 36/15 43 21”

  1. 1
    namibia » tagebuch » Die Seele treiben lassen:

    [...] unser Boot wird uns klar, dass wieder einmal ein Abenteuer zum und auf dem Wasser angesagt ist. Die Niederlage gegen den Sumpf immer noch im Hinterkopf machen wir uns auf den Weg, mindestens einen der Seen in der Nähe von [...]

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