Weltmeister im Alusammeln
Da wir Schweizer ja bekanntlich Weltmeister im Alusammeln sind, erstaunt es nicht weiter dass es uns jedes Mal schmerzt eine Alubüchse in den normalen Abfall zu werfen. Insbesondere da wir wissen, dass mit diesem Abfall kurze Zeit später gleich neben dem Schulgelände ein Feuer gemacht wird, das den ganzen Tag vor sich hin mottet und stinkt. Nicht nur beim Wegwerfen der Alubüchsen schmerzt es uns, nein auch die Blechbüchsen und all die Flaschen hinterlassen jedes Mal einen Stich im Herz.
Einen ersten Schritt Richtung Abfalltrennung schufen wir bereits kurz nach unserer Ankunft hier in Elim, in dem wir einen Kompost einrichteten. Nun bietet er Nahrung für die verschiedensten Tiere von klein bis gross. Die Einen ernähren sich zu unserer Freude von unserem Kompost wie all die Käfer und Würmer, die Anderen sehr zu unserem Ärger wie die Hunde, da wir jeweils am Morgen die von ihnen gescharrten Löcher wieder mit Sand füllen müssen.
Abfalltrennung als Einzelkämpfer ist auf die Dauer deprimierend und so versuchten und versuchen wir es bis jetzt die Einheimischen von unserem Trennungsprinzip zu überzeugen. Wir fanden nicht allzu weit von uns entfernt einen Eisenhändler, der Alu- wie Blechbüchsen annimmt und diese fürs Recycling nach Südafrika transportieren lässt. Das Beste ist, dass er sogar einige Namibian Dollars bezahlt für all die gesammelten Dosen. Voller Motivation überzeugten wir den Science-Club[1] der Ashipala speziell beschriftete Eimer aufzustellen um all die Büchsen und Dosen zu sammeln. Den Gewinn dieser Sammelaktion können sie dann als Club umsetzen.
Kurze Zeit später waren die Eimer zu unserem grossen Erstaunen beinahe gefüllt. Bereits einige Stunden später wich die Freude jedoch einer grossen Enttäuschung: die Müllmänner wussten nichts von dieser Abfalltrennung, leerten diese Eimer zu dem üblichen Müll und das Feuer vor der Schule glomm wieder mit all den Dosen und Büchsen vor sich hin.
Die Frustration war auch unter den Schülern gross und die Eimer blieben lange Zeit leer. Eines Tages entschuldigte sich ein Lehrer mit den Worten: “Ach, wir Namibier sind einfach nicht am Geld machen interessiert!” Als wir ihm erklärten dass der Lohn eigentlich nicht das grösste Ziel dieser Aktion sei, sondern der Umweltschutz, schaute er uns verblüfft an und verstand die Welt nicht mehr.
Es ist noch ein weiter Weg bis Namibia die Schweiz als Weltmeister im Alusammeln ablösen kann, erst recht falls mal kein Geld mehr für den Abfall bezahlt werden sollte. Aber ein erster kleiner Schritt in diese Richtung ist getan.
[1] Club der Naturwissenschaften. Offen für alle in Physik, Chemie, Biologie, Naturkunde, Geographie oder Mathematik besonders interessierten Schüler und Schülerinnen.