Jodeln in Namibia

27.11.2006 // 20:47
Abgelegt unter: // andreas

Wir staunten nicht schlecht, als wir eines Abends beim Nachtessen sassen und von draussen unseren einheimischen Nachbarn jodeln hörten. Es tönte zwar (noch) nicht ganz so elegant wie von einem geübten Jodler, die Melodie kam uns aber auch als Nicht-Jodel-Experten sehr bekannt vor. Nun ja, dass jemand in der abgelegenen Provinz Elim probiert zu jodeln kommt natürlich nicht einfach von nichts.

Vor einigen Wochen besuchte der Chor Rondo Vocale aus Malters in der Schweiz anlässlich einer Chorreise Namibia. Neben dem Reisevergnügen stand der Kulturaustausch im Vordergrund. Aus diesem Grund wurden ganz bewusst in verschiedenen Orten Konzerte zusammen mit einheimischen Chören organisiert. Eine Begegnung fand hier im Norden statt, in Oshakati, Oshikuku und Elim. Wir freuten uns sehr über bodenständigen Schweizer Besuch. Im Vorfeld hatten wir verschiedene Aktivitäten für den Chor organisiert. Einerseits Lektionsbesuche, andererseits Darbietungen des Schweizer Chors wie auch vom Schülerchor und der Kulturgruppe der Ashipala SSS. Das Repertoire des Chors Rondo Vocale für diese Reise bestand aus Volksliedern, die jazzig interpretiert wurden. Besonders die lüpfigen Lieder kamen sehr gut an. Und noch mehr das Jodeln. Die Neugierde war bis in die hinterste Reihe geweckt und die Begeisterung der SchülerInnen und Lehrkräfte über diese ungewohnten Klänge war riesig.

Die weniger musikalischen unter den Namibiern (SchülerInnen und Lehrer) waren im zweiten Teil des Programms gefragt: Ein Länderspiel Schweiz gegen Namibia. Die einheimischen Lehrkräfte, die beim Schweizer Team aushalfen gaben sich Mühe, bei der Schweizer Nationalhymne ernst und bedeutungsvoll dazustehen, gerade so wie ich mir zweimal pro Woche vor Schulbeginn Mühe gebe, das selbe bei der Namibischen Nationalhymne zu tun. Die Sonne spielte eindeutig auf der Seite Namibias, das Spiel endete dank vorzeitigem Abbruch unentschieden.[1] Die Enttäuschung Namibias über ein kurzes Spiel stand der Erleichterung der Schweiz gegenüber, endlich aus der prallen Sonne in den Schatten wechseln zu können. Die Unterhaltung für alle, sowohl Spieler wie auch ZuschauerInnen war grandios.

Wir haben die Schülerinnen und Schüler der Ashipala selten so offen und interessiert erlebt. Musik und Fussball scheinen zwei Sprachen zu sein, die fast überall auf dieser Welt verstanden werden.


[1] Ok, ok, müsste eigentlich heissen: das Spiel endete trotz vorzeitigem Abbruch 2:0 für Namibia. Es ist da unten immer noch etwas heiss für die grauen Zellen

Namlish - Namibian English

18.11.2006 // 13:02
Abgelegt unter: // andreas

Auch Menschen, die nicht das Glück haben, Englisch als ihre Muttersprache bezeichnen zu können, stellen bald einmal ganz typische Eigenheiten des Namibischen Englisch fest.

Vor allem Zeitbegriffe werden leicht anders angewendet als wir sie verstehen. Wenn ich zum Beispiel bei einer Arbeit im Klassenzimmer den Auftrag gebe, etwas now (jetzt) zu tun, wird wahrscheinlich nicht viel passieren. Dies hat nichts mit Faulheit zu tun, aber mit anderer Auffassung dieses Begriffs. Now heisst so etwas wie in nächster Zeit, noch am gleichen Tag oder auch morgen. In Bezug auf die Schule kündet man die Hausaufgaben mit now an. Soll etwas ziemlich sofort geschehen, heisst das now now. Also in den nächsten fünf bis fünfzehn Minuten. Will ich wirklich, dass im selben Moment etwas gemacht wird, muss ich das Wort noch einmal steigern, somit heisst es dann now now now. Erst jetzt ist augenblicklich gemeint, so wie wir es verstehen.

Sehr oft entfernt sich jemand von einem mit den Worten I’m coming now (Ich komme jetzt). Diese eher gegensätzliche Aussage meint im namibischen Zusammenhang, ich bin bald zurück.

Ein sehr beliebtes und deshalb übermässig oft verwendetes Wort ist nice (nett oder schön je nach Zusammenhang). Für Englisch Muttersprachler hat das Wort keine Aussagekraft. In dieselbe Gruppe gehören auch die folgenden Wörter. Nachdem die Schweizer an der WM beim Penaltyschiessen arg daneben oder auf den Goalie geschossen hatten, meinte der Principal am nächsten Tag: sie sind nicht serious. In diese Kategorie fällt alles, was von kleinen Flüchtigkeitsfehlern bis zu schludriger Arbeit reicht. Wenn sich jemand etwas erlaubt, was nicht dem Gesetz entspricht, muss das Wort corrupt herhalten. It’s a problem (Das ist ein Problem) wird gerne gebraucht, wenn etwas anders ist, als erwartet und meint nicht unbedingt ein Problem. Wenn unsere Nachbarn Nathan selber auf einen Stuhl kraxeln sehen, hören wir nicht selten: It’s a problem, that one, was eher meint, dass jemand von Nathans Akrobatik überrascht ist. Lange dachten wir, Nathan sei wirklich naughty (schlecht erzogen) in den Augen der Einheimischen, bis wir merkten, dass sie dieses Wort im Sinne brauchen wie wir Luusbueb.

Nun, nicht nur Oshiwambo hat seine Tücken, auch Englisch ist nicht immer so, wie es auf den ersten Blick erscheint.

Links

18.11.2006 // 13:01
Abgelegt unter: // andreas

Seit einiger Zeit findet man unter http://namibia.mycvs.org/links Internetadressen rund um unseren Einsatz im Norden Namibias. Hier klicken, oder oben Links auswählen.

GPS Ziel: 18 06 36/15 43 21

9.11.2006 // 20:50
Abgelegt unter: // andreas

Obwohl Namibia offiziell als Wüsten- und Halbwüstengegend gilt, gibt es doch Zeiten und Orte, die es einem erlauben, mit einem Boot unterwegs zu sein. Nach monatelanger Suche nach einem geeigneten Boot für kleine Familienausflüge sind wir vor kurzem fündig geworden, und dies obwohl den Preisen nach oben und der Qualität nach unten keine Grenzen gesetzt sind.

Der nächste Schritt in Richtung Abenteuer nahm zwar weniger Zeit in Anspruch, war aber eine grosse Herausforderung. Wir wissen, dass es Seen gibt in unserer Nähe, die das ganze Jahr mit Wasser gefüllt sind. Diese befinden sich aber ziemlich weit im Busch, abseits der guten Haupt- und Landstrassen. Leider hatten wir weder eine Detailkarte noch ein GPS[1], aber eine ungefähre Wegbeschreibung, unsere Abenteuerlust und einige Monate Geländeerfahrung im Norden Namibias. Am Anfang ging es noch recht gut, die Richtung des Weges stimmte mit dem Beschrieb überein. Mit der Zeit wurden die Wege undeutlicher und mehr an der Zahl und die Savanne mehr und mehr übersät mit kleinen und grossen Tümpeln. Etwas verunsichert fragten wir nach dem Weg zu den Seen. Den Handbewegungen nach zu urteilen stimmte die Richtung aber offensichtlich noch immer. Kurz darauf blieben wir zum ersten Mal im Morast stecken und mussten schaufeln, mit Brettern unterlegen und hoffen. Nach einigen Versuchen gelang es uns, das Auto wieder auf festen Grund zu fahren. Nun ging es so weiter, das Auto versank zwar nicht mehr, aber der Untergrund war vom nächtlichen starken Regenfall durchtränkt und die Räder kamen gefährlich nahe ans Durchdrehen. Mit der Zeit fuhren wir dann wo immer möglich über grasbewachsene Flächen abseits des Feldweges. Dies ist hier kein ungewöhnliches Verhalten, deshalb auch die unzähligen irreführenden Spuren. Als der See immer noch nicht zu sehen war und sich vor uns ein knöcheltiefer Riesentümpel auftat, der uns gezwungen hätte einen kilometerlangen Umweg über Sumpfgras und unberechenbare Sandbänke zu fahren, gaben wir auf.

Verloren im BuschBisher hatten wir nur nach vorne geschaut, wie sich herausstellte, sah die Landschaft - oh Wunder! - völlig verändert aus, als wir uns auf den Rückweg machten. Wir übten uns im Reifenspurenlesen, versuchten uns an auffälligen Zäunen, umherstreunenden Eseln und den sehr seltenen Makalanipalmen zu orientieren und dank unserer Intuition schafften wir es, uns nur zwei- oder dreimal zu verfahren. Als wir wieder asphaltierten Grund unter den Rädern hatten, wich die anfängliche Erleichterung einer gewissen Ratlosigkeit: wo sollten wir denn jetzt die Jungfernfahrt mit unserm Boot durchführen?…


[1] GPS: Globales Positionsbestimmungs System. Von Reiseführern für solche Unternehmungen dringend empfohlen, falls man das nötige Kleingeld hat. Ein kleines Gerät hilft einem satellitengesteuert jedes Ziel zu finden, ohne Karte, ohne Kompass, ohne Hirn. Bis der Strom im Weltall ausfällt.

Nächstes Ziel: Geradeaus und dann links

9.11.2006 // 20:49
Abgelegt unter: // andreas

…Anstelle eines ganzen Tages auf dem Boot verbrachten wir den grössten Teil der Zeit im Auto und suchten nach einer geeigneten Wasserfläche. Von Beginn an hatten wir eine Ausweichmöglichkeit im Hinterkopf, die uns einfach nicht so gefiel wie die oben erwähnten Seen der Owambos, da diese weit entfernt von Elim, künstlich angelegt und direkt an der Hauptstrasse gelegen ist.

Neugierige BlickeDer Etaka Damm ist das Trinkwasserreservoir des zentralen Nordens Namibias und dient auch der Bewässerung der umliegenden, intensiv bewirtschafteten Felder mit Gemüsebau. Aber was soll’s, besser einen Stausee als gar nichts. Unter den neugierigen Blicken von Kindern, die fürs Fischen und Kleiderwaschen am See waren, bliesen wir das Boot auf, kämpften uns durchsc dichte Schilf und genossen anschliessend die Zeit auf dem Wasser, immer erfrischt durch einen wechselhaften Ostwind, der uns manchaml ganz schön ins Rudern brachte, damit wir nicht all zu sehr abdrifteten. Im Nachhinein können wir sagen, dass dieser Stausee bei weitem nicht so schlimm ist wie wir gedacht haben, im Gegenteil. Das ganze Ufer ist von dichtem Schilf umgeben und bildet ein Biotop für viele Tiere. Der Blick über die nach Süden ausgedehnte Wasserfläche ist sehr entspannend. Nicht zuletzt haben wir den kleinen Traum verwirklicht, als Familie in einem Boot unterwegs sein zu können.

Schilf am Etaka Damm

Weltmeister im Alusammeln

6.11.2006 // 20:14
Abgelegt unter: // mirjam

Da wir Schweizer ja bekanntlich Weltmeister im Alusammeln sind, erstaunt es nicht weiter dass es uns jedes Mal schmerzt eine Alubüchse in den normalen Abfall zu werfen. Insbesondere da wir wissen, dass mit diesem Abfall kurze Zeit später gleich neben dem Schulgelände ein Feuer gemacht wird, das den ganzen Tag vor sich hin mottet und stinkt. Nicht nur beim Wegwerfen der Alubüchsen schmerzt es uns, nein auch die Blechbüchsen und all die Flaschen hinterlassen jedes Mal einen Stich im Herz.

Einen ersten Schritt Richtung Abfalltrennung schufen wir bereits kurz nach unserer Ankunft hier in Elim, in dem wir einen Kompost einrichteten. Nun bietet er Nahrung für die verschiedensten Tiere von klein bis gross. Die Einen ernähren sich zu unserer Freude von unserem Kompost wie all die Käfer und Würmer, die Anderen sehr zu unserem Ärger wie die Hunde, da wir jeweils am Morgen die von ihnen gescharrten Löcher wieder mit Sand füllen müssen.

Abfalltrennung als Einzelkämpfer ist auf die Dauer deprimierend und so versuchten und versuchen wir es bis jetzt die Einheimischen von unserem Trennungsprinzip zu überzeugen. Wir fanden nicht allzu weit von uns entfernt einen Eisenhändler, der Alu- wie Blechbüchsen annimmt und diese fürs Recycling nach Südafrika transportieren lässt. Das Beste ist, dass er sogar einige Namibian Dollars bezahlt für all die gesammelten Dosen. Voller Motivation überzeugten wir den Science-Club[1] der Ashipala speziell beschriftete Eimer aufzustellen um all die Büchsen und Dosen zu sammeln. Den Gewinn dieser Sammelaktion können sie dann als Club umsetzen.

Tins/Cans onlyKurze Zeit später waren die Eimer zu unserem grossen Erstaunen beinahe gefüllt. Bereits einige Stunden später wich die Freude jedoch einer grossen Enttäuschung: die Müllmänner wussten nichts von dieser Abfalltrennung, leerten diese Eimer zu dem üblichen Müll und das Feuer vor der Schule glomm wieder mit all den Dosen und Büchsen vor sich hin. Die Frustration war auch unter den Schülern gross und die Eimer blieben lange Zeit leer. Eines Tages entschuldigte sich ein Lehrer mit den Worten: “Ach, wir Namibier sind einfach nicht am Geld machen interessiert!” Als wir ihm erklärten dass der Lohn eigentlich nicht das grösste Ziel dieser Aktion sei, sondern der Umweltschutz, schaute er uns verblüfft an und verstand die Welt nicht mehr. Es ist noch ein weiter Weg bis Namibia die Schweiz als Weltmeister im Alusammeln ablösen kann, erst recht falls mal kein Geld mehr für den Abfall bezahlt werden sollte. Aber ein erster kleiner Schritt in diese Richtung ist getan.


[1] Club der Naturwissenschaften. Offen für alle in Physik, Chemie, Biologie, Naturkunde, Geographie oder Mathematik besonders interessierten Schüler und Schülerinnen.

Tag der Bäume

2.11.2006 // 20:46
Abgelegt unter: // mirjam

Der sogenannte MooPooAn einem Montagmorgen erschienen viele der Schüler zusätzlich zu den üblichen Schulmaterialien mit einem prall gefüllten Plastiksack in der Hand. Sie verschwanden damit hinter dem Lehrerhaus und somit aus unserem Blickfeld, dadurch konnten wir unsere Neugierde, was sich wohl in diesen Säcken befand, nicht befriedigen. Im Verlauf des Morgens ertönte ein lautes Stimmengewirr auf dem Pausenhof. Einige der Schüler erschienen mit Schaufeln, andere mit Spaten und Rechen, die meisten standen jedoch unbeholfen umher und suchten sich einen Schattenplatz. Die Biologielehrer versuchten Ordnung in die Gruppe zu bringen, was ihnen nicht einfach fiel. Nun massen sie gewisse Distanzen und wiesen diejenigen mit Werkzeug an, an den zugewiesenen Orten ein Loch zu graben. Nun war unsere Neugier so gross, dass wir uns auf den Pausenplatz aufmachten um den Grund für diesen Tumult zu erfahren.

Unter strenger AufsichtEs war Tag der Bäume. Eine Baumschule hat der Ashipala Senior Secondary School zu diesem Anlass 20 Bäume gesponsert. Und diese jungen Bäume wurden nun eingepflanzt um in einigen Jahren den Autos als Schattenspender zu dienen. Hoffentlich werden in einigen Jahren die Autos schmaler gebaut, denn die Bäume wurden sehr dicht beieinander eingepflanzt. Unter Stöhnen und Schwitzen wurden nun die Löcher bis zu einem Meter tief ausgehoben, was doch eine beträchtliche Leistung war in dieser Hitze. Nun lüftete sich auch das Geheimnis der vielen Plastiksäcke: die Schüler brachten Mist von zu Hause mit. Dieser Mist wurde in die Löcher gefüllt, mit einer Schicht Sand wieder zugeschaufelt und nun wurden die Bäume eingepflanzt. Dass der Mist nicht wie bei uns in die oberste Schicht Sand kommt ist nicht etwa uns zuliebe, damit wir den Gestank nicht riechen, sondern damit es nicht zu viel Ungeziefer anzieht.

Was wachsen soll muss Weile habenMit viel Mühe und Ausdauer wurde den Jungbäumen nun eine Art Nest aus Sand gebaut, das mit Heu ausgestopft wurde. Nun füllten lauter kleine Baumnester die eine Seite des Pausenplatzes. Doch leider bleibt das Eingangstor der Schule manchmal offen und so genossen bereits am nächsten Tag eine Herde Ziegen die frischen grünen Laubblätter. So blieb den Schülern nichts anderes übrig als nochmals Material anzuschleppen. Dieses Mal waren es Palmblätter. Diese benutzten sie um jeden der Jungbäume mit einem Zaun zu umflechten, damit die Blätter in Zukunft vor den gefrässigen Tieren geschützt waren. Nun konnte der normale Schulbetrieb wieder aufgenommen werden und die Ziegen gingen diesmal leer aus.

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