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Der Besuch

Mit grossem Getöse besuchte uns gestern die Vize Ministerin für Erziehung und Bildung. Einerseits war dies eine sehr grosse Ehre für die Ashipala SSS, auf der anderen Seite war der Grund ein einfacher. Seit Jahren gehört die Ashipala zu den schlechtesten Schulen der ganzen Region. Also ging es auch darum, nach dem Rechten zu sehen. Wie immer vor solchen Besuchen, war das Leherzimmer am Vortag ein wahres Bienenhaus. Dokumente mussten geschrieben, Ordner nachgeführt oder neu zusammengestellt werden. Es entstand ein Tagesprogramm mit Zeitangaben auf die Minute genau.

Dass der Besuch mitten in die Prüfungen fällt, hat im Ministerium für Erziehung und Bildung niemand bemerkt. Nun gut, die Lehrkräfte und gezwungenermassen die Schüler und Schülerinnen schicken sich in diese Situation. Notfalls kann man die Prüfung auch noch spät am Nachmittag schreiben. Um zehn steigt die Nervosität an, und die Schüler bilden eine Spalier vom Eingangstor bis zum Sekretariat und Lehrerzimmer. Lange geschieht nichts, die Vorfreude weicht langsam einer gewissen Gereiztheit.

Warten. Aufstellen für die Ministerin

Plötzlich kommt die Meldung, es dauere noch eine Stunde, bis die Delegation eintreffe. Die anfängliche Ordnung weicht einem Chaos. Fünf Minuten später entsteht eine erneute Unruhe, alle steuern auf das Eingangstor zur Schule zu: Die Delegation ist da, und niemand auf seinem Platz. Die Ministerin wird empfangen wie eine Königin, alle klatschen, singen ein Willkommenslied und strahlen übers ganze Gesicht.

Endlich da

Die Ministerin in Rot

Der Plan sieht vor, dass ein Gespräch mit dem Schul-Management folgt, das heisst, Inspektor, Schulleiter, Schulkommission. Für die Schulis beginnt wieder eine altbewährte Tätigkeit.

Warten, warten, warten (zusammen mit ihren Lehrkräften im Klassenzimmer) und nicht wirklich wissen, was weiter geschehen wird.

Auch hier: Als hätte jemand ein unsichtbares Zeichen gegeben kommt plötzlich Bewegung in die Lehrkräfte, sie schicken ihre Klassen in die Aula und gehen selber in das Lehrerzimmer.

Warten. Die Delgation macht einen Rundgang übers Schulgelände.

Getränke werden im Lehrerzimmer aufgetischt, nach zähen Diskussionen entscheidet man sich dafür, dass die Ministerin nicht gleichzeitig trinken und zu den Lehrkräften reden kann. Man bringt die Getränke ins Büro des Schulleiters.

Warten.

Dann endlich, der lang ersehnte Moment ist da: Die Ministerin kommt ins Lehrerzimmer, schüttelt allen die Hände, entlockt ihren Lippen ein “Hi”. Am Schluss beteuert sie uns, dass sie beeindruckt ist von der Schule, wie sich die Schule auf dem aufsteigenden Ast befindet und sehr viel Potential vorhanden ist. Nach einem Gruppenphoto rauscht die Delegation wieder ab. Die Erleichterung unter den Lehrkräften ist gross, die Euphorie über die positive Rückmledung ebenfalls. Ein paar können sich Witzeleien über die Gäste nicht verkneifen.

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