„Es frustigs Weekend“
Der Samstagmorgen begann ganz gemütlich mit einem ausgewogenen Frühstück und wir freuten uns auf ein ruhiges Weekend. Den Morgen verbrachten wir im Garten mit Pflanzen giessen, Dornen aus dem Sand sieben (eine Beschäftigungstherapie, aber es hat so viele Dornen im Sand, die einem den Aufenthalt im Garten echt vermiesen können) und Wäsche aufhängen. Ein typischer Samstag eben.
Kurz nach dem Mittagessen tauchte eine Lehrerin der Ashipala bei uns auf und fragte um Hilfe bei der Gestaltung von Kronen. Am Abend fand die Miss Ashipala Wahl statt und die Kronen für die Kür fehlten noch. Mir wurde ein wenig Material in die Hand gedrückt mit dem Auftrag, ich soll irgendwas kreieren. Also widmete ich mich dieser Aufgabe und versuchte mein Bestes zu geben. Dies war gar nicht so einfach, denn die Perlenfäden, die die Lehrerin mir gab, rissen die ganze Zeit und kurz darauf war unser Boden übersät mit glänzenden Perlen und von Krone noch keine Andeutung. Also versuchte ich es auf einem anderen Weg und nach längerer Ideensammlung und Ausprobieren gelang mir schliesslich eine Krone. Blauer Satin zierte den Ring und weisse Perlen schmückten den Aufbau. Ich war sehr zufrieden mit dem Ergebnis und stolz darauf. Ich machte mich auf den Weg um die Kronen der Verantwortlichen zu übergeben. Diese schaute die Kronen enttäuscht an, nahm die übrig gebliebenen Perlenfäden und wickelte diese um die Kronen. Ich fühlte mich überflüssig und so machte ich mich enttäuscht und gekränkt auf den Weg nach Hause.
Am Abend während der Krönung konnte ich einen Blick auf die fertigen Kronen werfen und war nun definitiv enttäuscht, von meiner Arbeit war nichts mehr zu sehen, Perlenfäden hingen wie zufällig gewickelt um die Drahtringe. Hauptsache es glänzte und leuchtete und die Perlen wurden alle verwendet. Ästhetik ist doch sehr individuell.
Meine Enttäuschung war umso grösser, da ich einen freien Nachmittag geopfert hatte und absolut keinen Dank erntete dafür. Aber trotzdem, so hart die Erfahrungen manchmal sein können, ich denke oder hoffe zumindest, dass ich das nächste Mal anders reagieren werde. Das nächste Mal werde ich mir Mühe geben mit ihnen zusammen die Arbeit zu erledigen und gemeinsam eine Lösung zu suchen, denn ihre Vorstellungen und Erwartungen können sie schlecht kommunizieren und sind anders als meine.
Eigentlich gar nicht so schlimm, könnte man jetzt denken.
Am Sonntagmorgen erwachten wir ab lautem Ziegengemeckere. Die Ziegen fanden einmal mehr den Weg in unseren Garten, was uns sehr erstaunte, denn wir waren sicher, dass wir das Gartentor geschlossen hatten. Andreas und Nathan machten sich auf nach draussen um die Ziegen von unserem Grundstück zu verjagen. Das Gartentor stand wirklich weit offen. Und Andreas’ neues Bike war weg.
Ein toller Start in den neuen Tag. Wir suchten im Sand nach verräterischen Spuren, konnten lange Zeit nichts entdecken bis wir auf Autospuren stiessen, die zum Gartentor führten und sich gleich wieder entfernten. Unsere Wut und Frustration war gross. Das Velo war mit einer dicken Eisenkette abgeschlossen, stand an der hinteren Hauswand und war somit schlecht sichtbar. Trotzdem wurde es bereits nach einer halben Woche gestohlen.
Nachdem wir eine Weile unserem Ärger freien Lauf gelassen hatten, wurde uns bewusst, dass sich nun unsere Wut und die Anschuldigungen stark gegen alle Schwarzen richteten: „ Ausgerechnet uns wurde das Velo gestohlen, alle haben das Gefühl, wir seien reich und können uns ohne weiteres ein Neues kaufen, …“ Solche und viele ähnliche Gedanken gingen uns durch den Kopf bis uns bewusst wurde, dass uns beiden in der Schweiz mehrere Velos gestohlen wurden und wir uns nie in derselben Art darüber geärgert haben. Wir hatten eigentlich das Gefühl, das wir gegen solche Gedanken gefeit sind und erschraken, wie schnell diese ungerechtfertigten Anschuldigungen in unseren Köpfen entstanden sind. Sie haben uns Vorurteile aufgezeigt, von denen wir dachten, sie nicht (mehr) zu haben. Kaum passiert eine schwierige Situation sind wir Gedanken ausgesetzt, die wir eigentlich nicht denken wollen.