Wo die Kirche noch im Dorf steht
Sonntag 8.45 Uhr: Esther, eine Schülerin der Ashipala, klopft an unsere Tür um uns abzuholen, damit wir gemeinsam den Gottesdienst der Dorfkirche in Elim besuchen können. Sie hat uns dazu bereits mehrere Male eingeladen. Unser Interesse war gross, an einem Gottesdienst in einer anderen Kultur teilzunehmen, auch weil die Kirche hier eine ganz andere, wichtige Bedeutung hat. Kurz vor der Kirche wechseln die von weit her kommenden Gottesdienstbesucher ihre Schuhe, zum Teil die Kleidung und putzen die verstaubten Füsse und Schenkel mit einem feuchten Tuch. Nun eilen wir alle gemeinsam in die Kirche, die bereits voll zu sein scheint. Esta findet für uns alle einen freien Platz, vorne bei den Kindern. Punkt neun beginnt eine Frau mit einem Choral und alle steigen mit ein. Die meisten Melodien ihrer Lieder aus dem Kirchengesangbuch sind uns vertraut, sind es doch Übersetzungen unserer eigener Kirchenlieder. Die Liturgie wird mal sitzend, stehend oder kniend gesungen und gesprochen und auch wir, ohne dass wir ein Wort verstehen, tauchen ein in eine wohlig meditative Stimmung. Nur leider Nathan nicht. Im Gegensatz zu den namibischen Kindern hält er es nicht mehr länger auf der Holzbank aus und quengelt. Bevor die bösen Blicke uns treffen, begebe ich mich in den hinteren Teil der Kirche und verfolge den weiteren Gottesdienst von dort aus.
Jetzt erst fällt mir auf, dass auf der rechten Seite nur Männer und auf der linken Seite die Frauen sitzen. Wenigstens habe ich (Mirjam) einen Rock angezogen, sonst wären wir definitiv zum Gespött des Dorfes geworden.
Der Gottesdienst zieht sich noch in die Länge, verschiedene Männer nebst dem Pfarrer stehen auf und verkünden eine Mitteilung in Oshiwambo. Anschliessend erfahre ich von Andreas, der die meisten Botschaften übersetzt erhielt, dass die eigentliche Predigt der kürzeste Teil war. Die anderen Mitteilungen betrafen Einladungen zu bevorstehenden Aktivitäten innerhalb des Dorfes oder eine Aufforderung zum sauber halten des Gemeindeplatzes. Wer hier in Elim informiert sein will, der geht in die Kirche.
Gegen Ende wurden wir aufgefordert uns kurz vorzustellen. Diejenigen die uns bis jetzt noch nicht kannten, kennen uns jetzt auf jeden Fall.
Juni 7th, 2006 at 12:33
Liebe Mirjam, lieber Andreas Wie kann ich euch per E-mail erreichen. Lese immer mit grossem Interesse eure Einträge! Ganz herzliche Grüsse Magdalena