NACOBTA
Apartheid – ein Schlagwort, das für uns erst hier so richtig Bedeutung erhalten hat. Bereits in Cape Town sind wir erschrocken wie stark das soziale Gefälle von der weissen zu der schwarzen Bevölkerung immer noch ist, auch wenn vom Gesetz her heute alle Menschen gleich sind. Hier im Norden von Namibia ist der Unterschied ebenfalls noch fühlbar und sichtbar. Beinahe in jedem Geschäft werden wir von schwarzen Angestellten bedient, tritt jedoch ein Problem oder ein spezieller Wunsch auf und möchten wir mit dem Chef oder Vorgesetzten sprechen, taucht aus einem Büro ein Weisser auf. Geld (dadurch Macht) und gute Ausbildungsmöglichkeiten sind momentan immer noch grösstenteils ein Privileg der weissen Bevölkerung. (Natürlich, es gibt sie auch, die einst Unterdrückten, die heute Mercedes fahren und viel zu grosse Villen bewohnen). Es wird wohl noch mehrere Generationen dauern bis ein Umdenken und eine Umverteilung stattgefunden hat.
Es ermutigt, dass es lokale Anstrengungen und Wege gibt, ein faires Miteinander für alle zu erreichen.
Vor einigen Jahren haben sich Gemeinden aus ganz Namibia, die selber aktiv im Tourismus werden wollten oder bereits waren, zu einer Dachorganisation zusammengeschlossen, der „Namibia Community Based Tourism Association“ (NACOBTA). „Community based“ bedeutet, dass die Lokalbevölkerung die Entwicklung und das Management des Tourismus in ihrem Lebensraum weitgehend selber kontrolliert und einen grossen Anteil der Einnahmen erhält. Ein wichtiges Ziel von NACOBTA ist es, Angebote des „community based tourism“ in den konventionellen Tourismus zu integrieren. NACOBTA unterstützt Gemeinden in ländlichen Gebieten dabei, Einkommen und Arbeitsplätze im fairen und umweltverträglichen Tourismus zu schaffen.

Die Dachorganisation bietet ihren Mitgliedern Weiterbildungen, Beratungen, Unterstützung beim Marketing und Finanzierung und ist ihre Stimme im internationalen Tourismusgeschäft.
Diese Entwicklung ist erfreulich und nötig. Wenn man sich vor Augen führt, dass von einem in der Schweiz gebuchten Arrangement nur schlappe 40% des Geldes im Reiseland ankommen, wird klar wieso. Wenn man weiter bedenkt, dass eine Reise nach den Grundsätzen des fairen Tourismus nicht teurer sein muss als eine konventionelle Buchung gibt es kein Hindernis mehr, solche Angebote auch zu nutzen. Einzige Ausnahme: Wenn eine saftig grüne Golfanlage im Wüstensand einer wirklichen Begegnung mit Land und Leuten vorgezogen wird.
Weitere Informationen:
www.akte.ch (Arbeitskreis Tourismus und Entwicklung, Basel)
www.nacobta.com.na (Englische Homepage)Buchtipp:
„fair unterwegs in Südafrika und Namibia“, ein Reiseleitfaden; akte. ISBN: 3-9522623-0-7